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Freitag, 6. Mai 2022

Die Übungen zur Harmonisierung von Atem und Qi - Abschluss und die ganze Folge zum Mitüben

Dies ist nun das abschließende Video mit allen Übungen der Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi. Zuerst gehe ich detaillierter auf den Abschluss der Übung ein, und danach kommt die ganze Folge zum Mitüben. 


Montag, 2. Mai 2022

Übung zur Stärkung des Qi von Lungen und Nieren

Die vorletzte Bewegung aus der Folge zur Regulierung und Harmonisierung von Atem und Qi habe ich noch nicht im Detail gezeigt, dies erfolgt nun mit diesem kurzen Video.

Diese Übung dient vor allem der Stärkung des Qi von Lungen und Nieren. Die Qi-Funktionen der Lungen und ihre Verbindung zu den Nieren habe ich schon in einem Beitrag der vorletzten Woche angesprochen, inhaltlich gilt dies auch für diese Übung und braucht darum hier nicht zu wiederholt werden.

Qigong-Übungen haben jedoch nie nur eine Funktion. Sie dienen immer auch der Regulierung des Qi des ganzen Körpers (dies ist der wichtigste Aspekt des Qigong-Übens), auch wenn natürlich unterschiedliche Übungen entsprechend unterschiedliche und spezifischere Wirkungen entfalten können.

Mit anderen Worten: jede Qigong-Übung - dies gilt vor allem für die traditionellen Übungen - kann gut für alles sein. Das heißt aber nicht, dass man beim konkreten Üben nicht unter Umständen feststellen wird, dass sich manche Wirkungen bei bestimmten Übungen besser und leichter einstellen als bei anderen. So gibt es z.B. eine Fülle von Übungen zur Stärkung des Nieren-Qi, ich kenne aber keine, die an das Qigong-Gehen zur Stärkung der Nieren (qiangshenfa 強腎法) herankommt, wie es Prof. Cong Yongchun unterrichtet hatte. Und da den Nieren als der Wurzel des Vorhimmlischen Qi (xiantian zhi ben 先天之本) eine wichtigsten und wesentlichsten Funktionen im Qi-Zusammenhang des Organismus zukommt, ist dies eine der besten Qigong-Übungen überhaupt, die ich kenne.

Und doch ist es gut und wichtig, dass es im Qigong viele verschiedene Übungen und Übungsfolgen gibt, und es ist für die Vertiefung der eigenen Praxis und des eigenen Verständnis sehr wohl sinnvoll und bereichernd, verschiedene Übungen kennenzulernen. Dies ist auch eines meiner Anliegen hier auf dem Blog, unterschiedliche Möglichkeiten des Übens vorzustellen. (Es sind jedoch nicht beliebige Übungen, und ich achte sehr darauf, was ich poste.)

Das Caveat dabei ist: Das Wesentliche findet man nicht in der Menge. Es braucht Erfahrung, langjährige Praxis und ein klares Wissen um die Theorie und die wesentlichen Prinzipien des Qigong, um sich in der Vielfalt der Übungen nicht zu verlieren. Darum empfiehlt man Anfängern, sich auf nur wenige Übungen zu beschränken. Zu leicht passiert es, dass man glaubt, viele Übungen zu kennen sei gleichbedeutend mit einem hohen Niveau und einer besonderen Wirksamkeit der eigenen Praxis.

Im Laufe der letzten Jahre sind auch auf diesem sowie auf dem alten Studio-der-Weißen-Wolken-Blog sehr viele Inhalte zusammengekommen, darum möchte ich wieder einmal an diejenigen Prinzipien des Qigong erinnern, die einem helfen können, sich in der Fülle nicht zu verlieren. Diese Prinzipien sind nicht Hochgeschraubtes, es geht nicht um komplexe Theorien, sondern um praktische Anleitungen, die die korrekten Wirkungen des Übens erst ermöglichen und einem helfen, die Richtung zu wahren.

So simpel es klingt, die wichtigsten Prinzipien sinnvollen Qigong-Übens, egal bei welcher Übung, sind diejenigen, die man wahrscheinlich schon in der ersten Stunde Qigong gehört hat: das Entspannen (song 鬆), das Ruhigwerden (jing 靜), und die Natürlichkeit (ziran 自然 - d.h. man lässt die Wirkungen des Übens sich natürlich entwickeln). Diese finden ihre Entsprechung in drei grundsätzlichen Prinzipien des Daoismus: Klarheit (qing 清), Stille (jing 靜), und Nicht-Tun (wuwei 無為 - d.h im Tun die Natürlichkeit nicht verlassen).

Bei Laozi finden wir dies so ausgedrückt: „Wer das Lernen übt, vermehrt täglich. Wer den WEG übt, vermindert täglich. Er vermindert und vermindert, bis er schließlich ankommt beim Nicht-Tun. Beim Nicht-Tun bleibt nichts ungetan."

Und da im chinesischen Denken die Einheit der Vielheit und die Einfältigkeit der Vielfältigkeit zugrunde liegt, heißt es bei Zhuangzi schlicht: „Dringe durch zum Einen, und alle Angelegenheiten werden vollendet..."

Dies ist bei weitem nicht alles, was dazu gesagt werden kann. Doch für hier genügt es. Mit dem Einen oder der Einheit unter der Vielfalt ist im Qigong das ursprüngliche Qi gemeint, die schöpferische Energie des Ganzen, die im eigenen Leben eine der Myriaden möglichen Ausdrucksformen gefunden hat. Es ist diese Energie in all ihren Wandlungen, die einen durch das Leben trägt. Man kann sie nicht tun, machen oder beeinflussen, aber man kann sie als den spontanen Prozess der allgegenwärtigen Veränderung und Transformationen entdecken, und man kann realisieren, dass man ihrer eigentlich immer teilhaftig ist. 

Dies ist es, was gute Qigong-Übungen ausmacht: Sie lehren einen, im Konkreten und Alltäglichen zu bleiben, in Einfachheit, Klarheit, Stille und Natürlichkeit, um allmählich das Wirken der ursprünglichen schöpferischen Energie im Körper zu entdecken.


Freitag, 29. April 2022

Die ganze Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi

Hier ist das schon angekündigte Video mit der ganzen Übungsfolge zur Regulierung und Harmonisierung von Atem und Qi.

Damit ist die Folge vollständig, bis auf ein paar Ergänzungen bezüglich der letzten beiden Bewegungen, die ich noch posten werde. 


Dienstag, 26. April 2022

Eine Übung im Liegen zur Regeneration des Qi

Der große Weg besteht aus Einfachheit und Leichtigkeit. Hier ist eine hervorragende Übung, die ich selbst sehr gern praktiziere, in der diese beiden Prinzipien des Buchs der Wandlungen verkörpert sind. 

Es ist eine der vielen Qigong-Übungen im Liegen, die, so simpel sie aussieht und so leicht und ohne Anstrengung sie praktiziert werden kann, das Qi doch tiefgehend reguliert und regeneriert. Es braucht oft nur ein paar Minuten, bis sich der Körper entspannt und das Qi ins Fließen kommt (es wird vor allem nach unten zu fließen beginnen).

Diese Übung eignet sich für alle und jeden. Vor allem dann, wenn man krank ist oder in Rekonvaleszenz, wenn man sich müde und erschöpft fühlt, oder auch, wenn einem alles zu viel ist und man sich zu keinem Qigong-Üben aufraffen kann, ist diese formlose Form des Qigong sehr zu empfehlen. Gefühlt tut man nichts oder kaum etwas, und doch stellen sich sehr angenehme Wirkungen ein. 

Die Übung kann auf einer Matte auf dem Boden liegend praktiziert werden, oder noch einfacher im Bett. Es ist ganz einfach: Man legt sich auf den Rücken und legt die Fingerspitzen auf die Brust, unterhalb des Schlüsselbeins und neben dem Schultergelenk (dort befinden sich die beiden ersten Punkte des Lungenmeridians). Die Ellbogen liegen neben dem Körper auf der Matte oder auf der Matratze, und die Arme sind in dieser Haltung natürlich gebeugt (Auf dem Foto zeige ich die Hand-/Armposition im Sitzen).

Mehr ist nicht nötig. Man schließt die Augen, lässt den Atem fließen, entspannt sich und genießt die Stille und Ruhe. Es braucht keine spezielle Konzentration, weder auf den Atem noch auf irgendeinen Körperbereich, die Zunge braucht nicht den Gaumen zu berühren, und es braucht auch keinen speziellen Abschluss. Man öffnet einfach langsam die Augen und hat damit die Übung beendet. Es macht auch nichts, wenn man während der Übung einschläft, ganz im Gegenteil, die Regeneration für das Qi wird dadurch sogar gefördert.

Sonntag, 24. April 2022

Qigong zur Unterstützung von Lungen und Nieren

In der Omikronwelle der letzten Wochen und Monate gab es im Familien- und Bekanntenkreis sehr viele Infektionen, die meisten haben die Infektion Gott sei Dank zwar ohne größere Probleme überstanden, doch beim manchen sind bestimmte Symptome geblieben, unter anderen tiefe Erschöpfungszustände oder über Wochen anhaltender Husten.

Die Übungen im heutigen Video (ein paar simple Massagen und eine modifizierte Version der vierten Bewegung des Fanhuangong) sind dazu da, dies zu korrigieren.

In der Chinesischen Medizin und im Qigong werden die Lungen und ihre Qi-Funktionen folgendermaßen beschrieben:

Sie sind der Antrieb des inneren Qi, beherrschen das Qi, regulieren die Atmung, damit auch das an der Oberfläche zirkulierende Abwehr-Qi (weiqi 衛氣), und regeln das Ausbreiten (xuanfa 宣發 und Absinken (sujiang 肅降).

Im Klassiker des Gelben Kaisers (Huangdi Neijing 皇帝内經) heißt es: „Wird die Lunge verletzt, heben alle Krankheiten an." Ist das Qi der Lunge durch eine Infektion geschwächt, leiden alle seine Funktionen. Vor allem vermögen die Lungen dann nicht mehr, das Qi nach unten zu schicken bzw. werden durch krankes Qi blockiert. Kann sich das Lungen-Qi nicht nach unten bewegen, kann es zu einer Situation kommen, die qi ni 氣逆 - gegenläufiges Qi - genannt wird, das heißt, das Qi geht in die falsche Richtung. Es blockiert und breitet sich nicht aus, und es geht nach oben statt nach unten unten zu sinken, was zu diversen Symptomen - wie z.B. einem hartnäckigen Husten - führen kann.

Natürlicherweise sorgt die enge Verbindung zwischen dem Qi der Lungen und dem der Nieren dafür, dass der Atem festgehalten wird, wenn er sich in den Körper bewegt, wodurch vor der Ausatmung eine Art Energieverbrennung stattfindet. Diese Qi-Funktion - „Ergreifen des Atems (na qi 納氣)" genannt - ist wesentlich für eine funktionierende Ausatmung. Für das Praktizieren von Qigong wichtig: Es handelt sich dabei um einen Prozess, bei dem sich das Qi der Atemluft mit dem ursprünglichen Qi des Dantian verbindet. Wenn der Zustand des gegenläufigen Qi chronisch wird, braucht es die Unterstützung der Nieren, damit das Qi wieder gefasst werden kann.

In diesem Sinn sind die Übungen des Videos zu verstehen. Die Massagen helfen der Abwärtsbewegung des Qi, die modifizierte Fanhuangong-Bewegung unterstützt die Nieren und stärkt die Kommunikation zwischen Nieren und Lungen. 



Dienstag, 19. April 2022

Sanfter Frühlingsregen und fallende Blüten

Still und entspannt sitzen, während man sich vorstellt, dass ein erfrischender, belebender, warmer Frühlingsregen von oben nach unten über den Körper nieselt und rieselt. Oder dass Blüten allenthalben langsam fallen und zu Boden schweben, während man den Spätfrühling unter Bäumen sitzend genießt. Dies ist eine Übung des stillen Sitzens, die Prof. Cong ihrer gesundheitlichen Wirkungen wegen hoch schätzte und immer wieder unterrichtete, als er 1988 zum ersten Mal nach Österreich kam.

Diese Übung steht ganz in der traditionellen Praxis des stillen Sitzens, in der es in erster Linie darum geht, sich tief zu entspannen und wohl zu fühlen, die Gedanken nicht zu beachten und den belebenden Fluss des Yang aus dem Yin entstehen zu lassen. Die warme innere Bewegung des Qi ist es, die dann zu tiefgreifenden positiven Wirkungen auf die Gesundheit führt.

Die Übung führt das Qi nach unten, sie ordnet es, nährt es und regeneriert es. Sie ist als hervorragende Ergänzung der bewegten Qigong-Übungen für jeden geeignet. Besonders empfehlenswert ist sie für diejenigen, die sich generell müde und erschöpft fühlen, die das Gefühl haben, dass ihnen alles zuviel ist, und auch für diejenigen, die sich in der Rekonvaleszenz nach einer Krankheit befinden.

Samstag, 16. April 2022

Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen - 2

Hier ist nun der zweite Teil der Übung „Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen". 

Ein Video zum Mitüben mit allen bisherigen Übungen zur Regulierung von Atem und Qi folgt in den nächsten Tagen.


Mittwoch, 13. April 2022

Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen - 1

Es fehlt nicht mehr viel, dann ist die Übungsfolge zur Regulierung von Atem und Qi vollständig. Hier ist nun der erste Teil der vorletzten Übung: Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen.

Die Übung besteht aus einem Verlagern des Gewichts, verbunden mit einer Hüftdrehung, wie schon beim Kreisen vor dem Dantian, der neunten Bewegung der Folge. Dazu kommt ein Kreisen der Arme, sehr ähnlich den Wolkenhänden im Taiji, allerdings mit einer zusätzlichen Rotation der Hände.

Gewichtsverlagerung und Hüftdrehung wirken sich stärkend auf das Qi im Dantian aus, stimulieren den mingmen 命門 (den vierten Punkt des Lenkergefäßes) und bewegen das Qi im daimai 帶脈 (Gürtelmeridian) und natürlich auch in den Beinmeridianen.

Auch die Armbewegung stärkt Dantian und Qi-Fundament des Körpers, da mit jedem Kreis das Qi an den Ursprung zurückgeführt wird. Darüber hinaus orientieren sich die Bewegung der Arme und die Rotation der Hände an den Kardinalrichtungen des Qi (nach oben, unten, außen und innen) und regulieren damit die Qi-Bewegung im ganzen Körper.

Sonntag, 10. April 2022

Die Weiden wiegen sich im Wind, zusammen mit anderen Übungen...

Hier ist ein Video für den Sonntag: die Übung der sich im Wind wiegenden Weiden, im Zusammenhang mit anderen Übungen der Folge.

Ich musste zweimal unterbrechen, darum schaue ich immer wieder zum Fenster und darum dann auch die Schnitte im Video, da ein Turmfalke, der regelmäßig auf Besuch kommt, Aufmerksamkeit forderte und draußen vor dem Fenster einen Riesenkrawall machte. :)

Dienstag, 5. April 2022

Die Weiden schwanken im Wind

Die Weiden in Wien sind in den letzten Tagen ergrünt, dazu passend gibt es hier  „im Wind schwankende Weiden", eine weitere Bewegung aus der Übungsfolge zur Regulation von Atem und Qi.

Die Übung öffnet die Körperseiten, bewegt vor allem das Qi in Leber- und Gallenblasenmeridian und wirkt Stagnationen des Leber-Qi (ganqi yujie 肝氣鬱結) entgegen. Das wirkt sich in der Folge auf den Fluss von Qi und Blut im ganzen Körper aus, die sich dann freier und ungehinderter bewegen können. 

Die Bewegung ist etwas komplizierter als die anderen der Folge. Darum ist es besonders wichtig, während des Übens entspannt zu bleiben und nicht zu viel zu wollen. Ein leichtes Strecken bzw. Beugen der Körperseiten genügt schon, dass die Übung wirkt. Das Qi entspringt nicht der Bewegung, sondern der Entspannung und der inneren Stille. Entspannung und Stille sind die Grundlage, auf der sich dann eine tiefer gehende Wirkung der Bewegungen entfalten kann.


Sonntag, 3. April 2022

Tiao Qi Gong 調氣功 - Übungen zu Regulation von Atem und Qi

Angekündigt habe ich es ja schon, hier ist es nun: das Video zum Mitüben mit allen bisherigen Bewegungen aus der Übungsfolge zur Regulierung von Atem und Qi.

Den Bewegungen habe ich eine ruhige Übung im Stehen vorausgestellt, die zu Aufbau und Stärkung des Qi im Dantian dient, wodurch die folgenden bewegten Übungen wirkungsvoller werden. Jing ji sheng dong 靜極生動 - „Bewegung entsteht aus der tiefsten Stille", eines der wichtigsten Übungsprinzipien des Qigong. In tiefer innerer Stille und Ruhe entwickelt sich das Qi und gewinnt Kraft, die dann in den bewegten Übungen zur Wirkung kommen kann.

Im Video dauert das ruhige Stehen nur kurz, ein, zwei Minuten. Man kann natürlich auch länger stehen, fünf, zehn Minuten lang, oder noch mehr. Man sollte damit aber nicht übertreiben, am besten verlängert man die Stehzeit nur allmählich, damit sich der Körper daran gewöhnen kann und das Qi nicht überfordert wird.


Montag, 28. März 2022

Eine Übung für den Frühlingsbeginn

Heute zeige ich wieder einmal eine der zu den 24 Qi-Knoten des Jahres gehörenden Übungen: die Übung für die Frühlingstagundnachtgleiche chunfen 春分.

Die Übung wird normalerweise im Schneidersitz ausgeführt, man kann sie jedoch auch adaptieren und im Sitzen auf einem Sessel (nicht anlehnen) oder auch im Stehen machen, so wie ich es im Video zeige.

Tian ren he yi 天人合一 Himmel und Mensch sind eins, das ist ein Leitgedanke sowohl des Qigong als auch der Chinesischen Medizin. Die Gesundheit zu fördern heißt unter anderem, das eigene Qi mit dem großen Qi der Natur in Harmonie und Resonanz zu bringen

Im Klassiker des Gelben Kaisers heißt es in der Abhandlung über die Harmonisierung des Geistes mit den Vier Jahreszeiten: 

„Die drei Monate des Frühlings nennt man die Zeit der Entwicklung und der Ausbreitung. Himmel und Erde bringen gemeinsam Leben hervor, die Myriaden von Wesen erblühen. Ruhe in der Nacht und erhebe dich früh, schreite dich mit großen Schritten durch den Innenhof, Haar und Kleidung gelöst, der Körper entspannt, frohen Geistes und des dich umgebenden Lebens gewahr. Leben zeugen und nicht töten, mehr geben als nehmen, mehr belohnen als bestrafen, das ist der Weg der Harmonie mit dem Frühling und der Pflege des Lebens. Dem entgegenzuwirken schadet der Leber, und da die Kraft des Wachstum vermindert wird, werden sich im Sommer Kälteerkrankungen zeigen."

Die Tagundnachtgleiche ist, was das Qi von Natur betrifft, einer der wichtigsten Zeitpunkte im Jahr, da sich Yin und Yang in vollkommener Harmonie befinden. Sich mit dieser Qualität des Qi in Einklang zu bringen, ist sehr wichtig für die Gesundheit. Das Qi steigt zu dieser Zeit auf und bewegt sich nach außen, unterstützt man, wie in der heutigen Übung, die korrespondierende Bewegung des inneren Qi, wird sich das Yang gut entfalten und genügend Kraft für die Qi-Transformation in den Sommer hinein entwickeln können.


Freitag, 25. März 2022

Das Drehen des Rades

Heute geht es wieder weiter mit der nächsten Bewegung aus der Übungsfolge zur Regulierung von Atem und Qi: dem Drehen des Rades. 

Die Bewegung kann auch außerhalb des Zusammenhangs der ganzen Folge als einzelne Übung praktiziert werden. Zusammen mit den anderen Übungen wird jedes Drehen des Rades nur ein paar Mal gemacht, dreimal, sechsmal oder neunmal, wenn man die Übung einzeln übt, kann es natürlich auch viel öfter sein. 

Die Gespräche des Konfuzius beginnen mit dem Satz: „Zu lernen und das Gelernte zu allen Zeiten zu üben, ist das nicht eine Freude?" Dieser Satz ist mir heute wieder einmal eingefallen, passt er doch sehr gut auch zum Qigongüben. Prof. Lin meinte, Qigong sollte immer „happy Qigong" sein, Prof. Cong sprach von der „Freude, die sich inmitten des Übens ereigne", und mein erster Taijilehrer Meister Wang sprach vom „geistigen Genuss" während des Übens, jingshen xiangshou 精神享受 auf Chinesisch wörtlich dem Genuss der Essenz jing 精 (des Körpers, des materiellen Fundaments des Lebens) und des Geistes shen 神 (der nicht-materiellen Aspekte des Qi, die gleichwohl eng mit dem körperlichen Geschehen verbunden sind).

Hoffentlich sind dieses und auch die anderen Videos eine Inspiration, diese Freude am entspannten Tun zu entdecken und zu erleben.


Mittwoch, 23. März 2022

Der Weg richtet sich nach dem, was von selbst so ist...

Das heutige Video beginnt zuerst mit ein paar Übungen für das Dantian, und dann folgen wieder die Yuanminggong-Übungen. All dies, wie schon im letzten Posting erwähnt, um das Qi-Fundament der Gesundheit aufzubauen und zu stärken. Im Huangdi Neijing 黃帝內經, dem Inneren Klassiker des Gelben Kaisers heißt es: „Bei enger Verbindung von Yin und Yang sind Essenz und Geist geordnet. Trennen sich Yin und Yang, erschöpfen sich hingegen Essenz und Qi." 

Qigongübungen wie das Taiyi Yuanminggong eigenen sich hervorragend dazu, Yin und Yang zueinander zu führen und miteinander zu verschränken. Prof. Cong hat mir vor Jahren erzählt, dass das Yuanminggong zu den Übungen gehörte, die er bevorzugte, als er in seiner Funktion als Professor für Qigong an der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin Fuzhou Patienten unterrichtete, da die Übungen so einfach und leicht zu erlernen und die therapeutischen Resultate so zufriedenstellend waren. Er meinte damals: „Sechs Mal am Morgen und sechs Mal am Abend geübt, dann zeigen sich schon sehr deutliche gesundheitliche Wirkungen." 

Die Yuanminggong-Übungen eigenen sich auch hervorragend dazu, in der Bewegung die Stille zu finden. Das Qi entspringt der Stille. Die schöpferischen Kräfte des Dao eröffnen sich erst in der Stille, in der Weichheit, im Lassen. Sich innerlich leer und still zu machen, generiert die Lebenskraft Qi und lässt sie frei fließen. 

Qigong zu üben, heißt die ganz konkreten Wirkungen der Stille und des Lassens allmählich für sich zu entdecken. Natürlich passiert es wohl jedem immer wieder, gerade bei der unglaublichen Fülle der Übungen, dass man sich verliert und auf das Wesentliche vergisst. Doch Qigong ist eigentlich etwas ganz Einfaches und Schlichtes. 

Man übt halbwegs regelmäßig, entspannt sich, beruhigt sich, denkt nicht zu viel über die Übungen nach und entwickelt, langsam, langsam, die Fähigkeit, zu tun, ohne zu tun. Wirkungen entstehen von selbst, in der tiefen Stille und Entspannung. Je weniger man sich einmischt, desto besser. Dao fa ziran 道法自然 - „das Dao richtet sich nach dem, was von selbst so ist und wird". Dieses Zitat aus dem Laozi ist eine der grundlegendsten Aussagen des Qigong, eine, auf der das gesamte Heilwissen Chinas beruht.

 



 

Sonntag, 20. März 2022

Taiyi Yuanminggong - wieder einmal

Ich wollte schon des längeren wieder einmal ein Video mit den Taiyi Yuanminggong-Übungen auf Blog und YouTube stellen, heute ist es soweit. 

Diese Übungen sind eine hervorragende Ergänzung und Bereicherung des Programms der letzten Zeit, also all der Übungen zur Öffnung zur Qi-Bahnen im Körper und Regulierung des Qi, und der stillen Übungen, die auf die Fähigkeit zu vertiefter Ruhen und Entspannung abzielen.

Die Yuanminggong-Übungen machen all dies und noch mehr. 

In Zeichen 63 des Yijing Vor der Vollendung heißt es: „Das Feuer ist oberhalb des Wassers:das Bild des Zustands vor dem Übergang. So ist der Edle vorsichtig in der Unterscheidung der Dinge, damit jedes auf seinen Platz kommt."

Richard Wilhelm kommentiert: „Das Feuer schlägt nach oben, das Wasser dringt nach unten, daher keine Vollendung. Wollte man sie gewaltsam durchführen, so entstünde Schaden. Darum muß man teilen, um zu verbinden. Man muß die Dinge so sorgfältig an ihren Platz stellen wie Feuer und Wasser, damit sie sich nicht bekämpfen."

Dies ist es, was man in den Yuanminggong-Übungen macht. Man führt die Yin- und Yangaspekte des Qi an den ihren Qualitäten und Bewegungsrichtungen gemäßen Platz. Das Yang-Feuer wird unter das Yin-Wasser gebracht, so dass Vollendung entsteht: „Beharrlichkeit bringt Heil. Keine Reue. Das Licht des Edlen ist wahrhaftig. Heil!" 

Gesundheit ist die enge Verbindung von Yin und Yang in einer Art, in der sie nicht gegeneinander wirken, sondern einander fördern. Verlieren sie hingegen ihre Verbindung, wird das Fundament der Gesundheit untergraben. Darum sind einfache und unspektakuläre Übungen wie das Taiyi Yuanminggong so wichtig, wirken sie doch als ein stetes Stärken und Festigen des Qi-Fundaments der Gesundheit.

Die Übungen nehmen wenig Zeit in Anspruch und sind hochwirksam. Es genügt, den Bewegungsablauf 6 bis 9x zu wiederholen. Die beste Übungszeit ist morgens, wenn sich das Yang-Qi der Natur entfaltet, zu anderen Zeiten zu üben geht natürlich auch.


Montag, 14. März 2022

Qigong für den Wochenbeginn

Hier ist ein Video zum Mitüben: zuerst einfache Übungen zur Stärkung und Aktivierung des Dantian-Qi, danach all die bisherigen Bewegungen aus der Übungsfolge zur Regulierung von Atem und Qi.

Die Übungen, die ich in letzter Zeit auf Blog und YouTube stelle, sind mit Ausnahme der Fangsonggong/Entspannungsübungen allesamt bewegte Übungen. Diese sind notwendig, um stagnierendes Qi wieder in Bewegung zu bringen, und sie helfen, das Qi zu ordnen, zu regulieren und auszugleichen, das heißt Defizite des Qi aufzufüllen und Exzesse zu begrenzen. Bewegt sich das Qi besser und findet eine gewisse Harmonisierung des Qi satt, dann hat dies schon konkrete Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden.

Doch die bewegten Übungen sind nur ein Aspekt - der Yang-Aspekt - des Übens. Der Yin-Aspekt des Übens ist ebenso wichtig, ja, sogar wichtiger und wesentlicher: Es ist die das Üben begleitende und durch das Üben oft erst ermöglichte innere Stille. Diese stellt das Fundament allen Tuns im Qigong dar, durch sie erst wird man der Kräfte teilhaftig, die den schöpferischen und lebensspendenden Eigenschaften der Natur zugrundeliegen. Im Daoismus nennt man diese Kräfte das ursprüngliche Yang-Qi des Universums, welches sich dann erst manifestieren und in seinen heilsamen Wirkungen zeigen kann, wenn man in sich das tiefste Yin (die tiefste Stille und Leere) realisiert.

Darum heißt es im 16. Kapitel des Laozi, und dies kann auch als Leitfaden für die Qigongpraxis gelesen werden: „Kannst du das Äußerste der Leere erreichen und das Tiefste der Stille bewahren? ... Rückkehr der Wesen zur Wurzel heißt Stille. Stille heißt Wiedererlangung des Lebens. Wiedererlangung des Lebens heißt Dauer.“


Donnerstag, 10. März 2022

Kreisen um die Mitte - eine einfache Übung

Hier ist eine weitere Bewegung aus der Übungsfolge zur Regulation von Atem und Qi.

Für das heutige Video habe ich die Bewegung mit Phasen ruhigen Stehens verbunden. Diese sind ziemlich kurz gehalten, wenn man für sich selbst übt, können sie auch verlängert werden.

Die Übung ist an und für sich nicht kompliziert, doch braucht es wahrscheinlich ein wenig Geduld, bis man alle Details verstanden hat und umsetzen kann.  

Die Funktion der Übung ist vielfältig: sie stärkt das Qi im Dantian 丹田, stimuliert den Punkt Tor des Lebens mingmen 命門 (LG 4) und den Gürtelmeridian daimai 帶脈,  öffnet die Yin- und Yang-Meridiane der Beine und reguliert den Energiefluss im ganzen Körper.

Das Dantian und das Tor des Lebens mingmen sind, in den Worten des Arztes Zhang Jingyue 張景岳(1563-1640), „die Wurzel des ursprünglichen Qi und die Wohnstatt von Feuer und Wasser. Ohne sie könnte das Yin-Qi der Organe nicht genährt werden und sich das Yang-Qi der Organe nicht entfalten. In ihnen wirkt ohne Unterlass der schöpferische Ursprung, das vorhimmlische Qi als Quelle aller Transformationen des Lebens."

Montag, 7. März 2022

Eine traditionelle Qigongübung zur Entspannung

Im heutigen Video zeige ich eine der Qigongübungen zur Entspannung, wie sie vom Qigong-Forschungsinstitut Shanghai zusammengestellt und extensiv in der klinischen Praxis zur Anwendung gebracht wurden.

Vorbereitung:

  • Die Hände auf den Unterbauch legen, ein, zwei Minuten ruhig ein- und ausatmen.
  • Mit den übereinandergelegten Händen langsam drei, sechs oder neun Kreise auf dem Bauch beschreiben, in beide Richtungen.
  • Mittels einiger großer Kreise (Öffnen, Heben, Schließen, Senken) den Atem regulieren und das Qi bis in die Füße sinken lassen.

Entspannungsübung:

  • Man verwendet die Ausatmung, die gedachten Silbe „sung" und die Konzentration auf die entsprechenden Körperbereiche, um zu entspannen und dem Qi zu freierer Bewegung zu verhelfen.
  • Die Körperbereiche sind: Kopf, Brust und oberer Rücken, Bauch und unterer Rücken, Arme, Beine.
  • Die Silbe „sung" wird je dreimal innerlich intoniert, mit der begleitenden Vorstellung, dass sich der entsprechende Körperbereich ausdehnt und weitet.
  • Danach ruhig ein paar Minuten lang auf das Dantian konzentrieren.
  • Den Speichel in der Vorstellung ins Dantian schlucken.

Abschluss:

  • Den Kopf ein paarmal nach links und rechts drehen. Einatmen, wenn der Kopf zur Seite gedreht wird, ausatmen, wenn der Kopf zurück nach vorne gedreht wird.
  • Die Daumen locker mit den anderen Fingern umgreifen und sechs- bis neunmal vor der Brust öffnen und schließen. Einatmen beim Öffnen, Ausatmen beim Schließen.
  • Die Daumen locker mit den anderen Fingern umgreifen und sechs- bis neunmal vor dem Körper „die Winde drehen".
  • Die Hände nach hinten führen und langsam über den unteren Rücken reiben, um das Nieren-Qi zu stärken.
  • Mittels einiger großer Kreise (Öffnen, Heben, Schließen, Senken) Atem und Qi regulieren. Die Hände schließlich auf das Dantian legen und das Qi zurückkehren lassen.
  • Ruhig auf das Dantian konzentrieren.
  • Den Speichel in der Vorstellung ins Dantian schlucken.


Donnerstag, 3. März 2022

Eine kurze Übung ...

Die meisten Videos, die ich in der letzten Zeit hier auf den Blog bzw. auf YouTube gestellt habe, sind ziemlich lang. Hier einmal ein kürzeres, mit einer Übungssequenz, für die man sicher leicht irgendwo im  Tagesablauf Platz hat. 


Dienstag, 1. März 2022

Innere Stille - eine Qigong-Übungsstunde

Hier ist nun ein Video mit allen bisherigen Bewegungen aus der Folge zur Regulation von Atem und Qi. 

Diese Übungen sind alle sehr einfach. Doch gerade eben diese Einfachheit macht sie so hervorragend. Qigong wirkt nicht durch die Komplexität der Übungen, sondern durch die Unterstützung der Selbstregulationsfähigkeit des Organismus, die zu ihrem bestmöglichen Funktionieren gebracht werden soll. Man könnte diese auch Selbstheilungsfähigkeit nennen, da sie den Prozessen der Gesundung und Regeneration zugrunde liegt. Im Qigong wird diese innere Instanz der Gesundung und Heilung yuanshen 元神 genannt, ursprünglicher Geist. 

Erreicht man die äußerste Leere und bewahrt die tiefste Stille, erschaut man die Wiederkehr all der blühenden Dinge und Wesen, heißt es bei Laozi. Wiederkehr heißt Rückkehr zu dem Ursprung, aus dem sich das ursprüngliche Qi als Quell allen Lebens und aller Kreativität erhebt, das strömende Qi, das die große Harmonie wirkt, wie Laozi an anderer Stelle beschreibt. 

Für das Üben heißt das: Je besser man abzuschalten und zu entspannen vermag, desto mehr wird man derjenigen tiefgehenden Wirkungen teilhaftig, die die des ursprünglichen Qi sind. Diese haben mit der inneren Stille und Leere zu tun, dem ursprünglichen Geist, der die Harmonie des ursprünglichen Qi (und damit unter anderem die Gesundheit) wirkt. Darum ist es wichtig, Qigong nicht auf mechanische Art und Weise zu üben. Qigong-Übungen heilen und regenerieren nicht direkt, doch sie führen einen in innere Zustände der Entspannung und der tiefen Ruhe, durch die sich heilende Wirkungen einstellen. Es ist in der tiefen Stille, in der sich das Leben regeneriert und der kreative, lebensfördernde Fluss des Qi manifestiert.

Natürlich ist man nicht immer still und leer. Aber auch ein wenig ruhiger und stiller zu sein, bewirkt schon etwas. Sobald mit einer Qigong-Übung beginnt, sich auf die Übung einlässt, gleichmäßiger atmet, die Bewegungen weich ausführt und sich so halbwegs entspannt, beginnt ein Prozess, in dem sich das Qi ordnet, begleitet von angenehmen Körperwahrnehmungen und einer gewissen Ruhe. Ruhig kann man sein, auch wenn das Kreisen der Gedanken weitergeht. 

Zusammen mit anderen Menschen fällt es einem leichter, in diesen Prozess hineinzufinden, aber es geht auch allein. Auch in so fürchterlichen und bedrückenden Zeiten wie derzeit, da braucht man das noch viel mehr, schlicht und einfach, um die nötige Energie zur Verfügung zu haben, um bei sich bleiben zu können. Wichtig ist, zu verstehen, dass die Wirkungen nicht gemacht werden, sondern sich auf natürliche Weise einstellen, wenn man nur immer wieder zu diesem einfachen, entspannten, ruhigen, unaufgeregten Tun zurückkehrt.
 

Die Übungen zur Harmonisierung von Atem und Qi - Abschluss und die ganze Folge zum Mitüben

Dies ist nun das abschließende Video mit allen Übungen der Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi. Zuerst gehe ich detaillierter auf den A...