Hier ist nun ein Video mit allen bisherigen Bewegungen aus der Folge zur Regulation von Atem und Qi.
Diese Übungen sind alle sehr einfach. Doch gerade eben diese Einfachheit macht sie so hervorragend. Qigong wirkt nicht durch die Komplexität der Übungen, sondern durch die Unterstützung der Selbstregulationsfähigkeit des Organismus, die zu ihrem bestmöglichen Funktionieren gebracht werden soll. Man könnte diese auch Selbstheilungsfähigkeit nennen, da sie den Prozessen der Gesundung und Regeneration zugrunde liegt. Im Qigong wird diese innere Instanz der Gesundung und Heilung yuanshen 元神 genannt, ursprünglicher Geist.
Erreicht man die äußerste Leere und bewahrt die tiefste Stille, erschaut man die Wiederkehr all der blühenden Dinge und Wesen, heißt es bei Laozi. Wiederkehr heißt Rückkehr zu dem Ursprung, aus dem sich das ursprüngliche Qi als Quell allen Lebens und aller Kreativität erhebt, das strömende Qi, das die große Harmonie wirkt, wie Laozi an anderer Stelle beschreibt.
Für das Üben heißt das: Je besser man abzuschalten und zu entspannen vermag, desto mehr wird man derjenigen tiefgehenden Wirkungen teilhaftig, die die des ursprünglichen Qi sind. Diese haben mit der inneren Stille und Leere zu tun, dem ursprünglichen Geist, der die Harmonie des ursprünglichen Qi (und damit unter anderem die Gesundheit) wirkt. Darum ist es wichtig, Qigong nicht auf mechanische Art und Weise zu üben. Qigong-Übungen heilen und regenerieren nicht direkt, doch sie führen einen in innere Zustände der Entspannung und der tiefen Ruhe, durch die sich heilende Wirkungen einstellen. Es ist in der tiefen Stille, in der sich das Leben regeneriert und der kreative, lebensfördernde Fluss des Qi manifestiert.
Natürlich ist man nicht immer still und leer. Aber auch ein wenig ruhiger und stiller zu sein, bewirkt schon etwas. Sobald mit einer Qigong-Übung beginnt, sich auf die Übung einlässt, gleichmäßiger atmet, die Bewegungen weich ausführt und sich so halbwegs entspannt, beginnt ein Prozess, in dem sich das Qi ordnet, begleitet von angenehmen Körperwahrnehmungen und einer gewissen Ruhe. Ruhig kann man sein, auch wenn das Kreisen der Gedanken weitergeht.
Zusammen mit anderen Menschen fällt es einem leichter, in diesen Prozess hineinzufinden, aber es geht auch allein. Auch in so fürchterlichen und bedrückenden Zeiten wie derzeit, da braucht man das noch viel mehr, schlicht und einfach, um die nötige Energie zur Verfügung zu haben, um bei sich bleiben zu können. Wichtig ist, zu verstehen, dass die Wirkungen nicht gemacht werden, sondern sich auf natürliche Weise einstellen, wenn man nur immer wieder zu diesem einfachen, entspannten, ruhigen, unaufgeregten Tun zurückkehrt.
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