Posts mit dem Label Yangsheng werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Yangsheng werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 13. Februar 2022

Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren

Die chinesische rote Dattel (auch bekannt als hongzao 紅棗 / dazao 大棗 / Jujubae Fructus) ist eine der wichtigsten tonisierenden Heilpflanzen der Materia Medica der TCM, die auch in vielen Nahrungs- und Tee-Rezepturen der Diätetik zur Anwendung kommt. Die roten Datteln werden als süß und warm klassifiziert und wirken auf die Meridiane von Milz (pi 脾) und Magen (wei 胃).

Kennt man die charakteristischen Qi-Eigenschaften eines bestimmten Lebensmittels und die Meridiane, durch die es in den Körper gelangt, dann kann man bereits eine Vorstellung davon haben, welche Qi-Wirkung es auf den Körper hat. Bei den roten Datteln ist es so, dass sie das Qi der Verdauung tonisieren und harmonisieren, das Blut nähren und Flüssigkeiten erzeugen. Sie haben auch eine „entgiftende“ Wirkung und werden daher verwendet, um Nahrungsmitteln oder anderen Substanzen, die sich gegen unser natürliches, gesundes Qi richten, entgegenzuwirken oder sie zu mildern.

Es gibt viele Rezepte für verschiedenste Suppen, Eintöpfe, Congees und Tees, in denen rote Datteln enthalten sind. Hier möchte ich einen Tee vorstellen, der traditionellerweise im Frühjahr für den Zeitraum von ein bis zwei Wochen täglich getrunken wird.


Dazao Gouqi Cha 大棗枸杞茶 - Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren

Zutaten:

5 getrocknete rote chinesische Datteln, entkernt
1 Esslöffel Gojibeeren
4 große Tassen Wasser

Zubereitung:

1. Bereits entkernte Datteln einfach unter fließendem Wasser gut abwaschen und dann mit der Spitze eines scharfen Messers ca. 7 kleine Schnitte in die Datteln machen (wenn die Datteln entkernt sind, ist es einfacher, sie zunächst etwa 20 Minuten in kaltem Wasser einzuweichen, sie dann zu halbieren und die harten Kerne zu entfernen. In diesem Fall ist es nicht nötig, weitere Schnitte in das Fruchtfleisch zu machen).

2. Datteln und Gojibeeren in einen Topf mit 4 Tassen kaltem Wasser geben und bei starker Hitze zum Kochen bringen. Dann den Deckel auflegen, die Hitze auf niedrig stellen und 20 bis 30 Minuten köcheln lassen, bis das Wasser eine rötliche Farbe annimmt. Zu diesem Zeitpunkt wird das Wasser um etwa die Hälfte reduziert sein, die Datteln sind weichgekocht und alle Qi-Eigenschaften sind im Teewasser enthalten.

3. Den Tee abgießen und in zwei Portionen teilen (die Datteln wegwerfen). Eine Portion wird am Morgen (zwischen Frühstück und Mittagessen) und die zweite Portion am Abend getrunken.


Dieser Tee hat die fast unmittelbare Wirkung der Beruhigung des Herz-Qi, was einen erholsamen Schlaf ermöglicht. Im Frühjahr ca. ein bis zwei Wochen lang täglich getrunken, wärmt und unterstützt er das Qi von Milz und Magen, erzeugt Körperflüssigkeiten (siehe weiter unten), nährt das Blut, beruhigt den Geist, reguliert die Emotionen, harmonisiert die Yin- und Yang-Aspekte des Immunsystems, stärkt das Qi und das Yin der Leber, und hellt auch die Augen auf und beruhigt sie.

Nach dem berühmten medizinischen Gelehrten Li Shizhen 李世珍 aus dem 16. Jahrhundert (einem der Begründer der traditionellen chinesischen Kräutermedizin) gelangen rote Datteln über den Milzmeridian in die Blutebene des Qi und können so Yin und Yang, die innere und äußere Ebene des schützenden Qi, harmonisieren und „Yin- und Yang-Flüssigkeiten" erzeugen - d. h. jene Flüssigkeiten, die für die Schmierung aller inneren Organe des Körpers, der Sinnesorgane und des Gehirns verantwortlich sind, sowie jene, die für die Speichel- und Schweißproduktion und die Befeuchtung des „äußeren" Körpers benötigt werden.

Im Shennong Ben Cao Jing 神農本草經 (dem allerersten Buch der Materia Medica, das im 3. Jahrhundert geschrieben wurde) wird die rote Dattel als "überlegenes Arzneimittel" eingestuft, da sie „das pathogene Qi in Herz und Unterleib reguliert, die Mitte beruhigt, die Milz nährt und die zwölf Kanäle unterstützt. Sie beruhigt das Magen-Qi, deblockiert die neun Körperöffnungen, tonisiert vermindertes Qi und Flüssigkeitsmangel, wirkt gegen jede Art von Unzulänglichkeit im Körper, gegen starke Nervosität, gegen Schwere der Gliedmaßen und harmonisiert die hundert Arzneimittel.“

Gojibeeren unterstützen und verstärken all diese Wirkungen. Sie haben einen süßen Geschmack und sind von Natur aus neutral. Sie gelangen in den Körper durch die Meridiane der Leber (gan 肝), der Lunge (fei 肺) und der Nieren (shen 腎). Da die Gojibeere weder wärmend noch kühlend wirkt, hat sie eine tonisierende Wirkung auf Qi und Yin von Leber und Niere, was bedeutet, dass sie das Qi des Blutes und der Essenz erreicht. Diese Beere hat auch eine besondere Wirkung - sie fällt in die Kategorie der tonisierenden Kräuter für das Jing 精 / die Essenz und „erhellt die Augen". Ihre befeuchtenden und anreichernden Eigenschaften befeuchten die Lungen, lindern Trockenheit und Schwindel durch Wind (entweder inneren Wind, der eine Manifestation von erschöpftem Leber-Yin ist, oder äußeren Wind durch das Wetter).

Man kann also sagen, dass dieser einfache Tee, der traditionellerweise während eines kurzen Zeitraum im Frühling getrunken wird, wirklich ein "überlegenes Arzneimittel" für unsere moderne Zeit ist, insbesondere für diesen dritten Frühling der Pandemie, in der unser Lebens immer noch unter starkem Druck steht, durch den das Qi und das Yin im Allgemeinen erschöpft und der freie und leichte Fluss des Lebens gestört wird.

Vor fast zwei Jahren haben wir einen ähnlichen Tee aus Ingwer und roten Datteln gepostet. Der Tee war damals für die Übergangszeit in den Sommer gedacht, er kann aber auch im Frühling getrunken werden. In diesem Fall trinkt man den Tee aus Ingwer und roten Datteln in der Früh (1 Tasse), und den Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren am Abend (ebenfalls 1 Tasse). Fühlt man sich erschöpft, trinkt man allerdings nur den Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren.

Ingwer und Gojibeeren bekommt man inzwischen fast überall. Rote Datteln findet man in jedem Geschäft für chinesische Lebensmittel. Am besten kauft man Gojibeeren und rote Datteln aber in einer Apotheke, die TCM-Kräuter führt. Rote Datteln können nicht mit anderen Datteln ersetzt werden.

Sonntag, 9. Januar 2022

Einmal Yin, einmal Yang ...

Ein Yin, ein Yang, das ist das Dao, so heißt es in den Angeknüpften Worten, einem der alten Kommentare zum Yijing, dem Buch der Wandlungen. Jede Einheit, jede Ganzheit, vom großen Ganzen des Universums bis zu den 10000 Wesen, von denen der Mensch eines ist, ist durch das Gegensatzpaar von Yin und Yang charakterisiert, sowohl zeitlich als Abfolge, als eine Zeit des Yin und eine des Yang, als auch räumlich, als eine Seite Yin und eine Seite Yang. Durch die Begriffe Yin und Yang wird die Ordnung von Universum, menschlicher Gemeinschaft und Einzelwesen erfasst, das sinnvolle Ganze, das den Teilen zugrunde liegt. 

Wie Marcel Granet in Das chinesische Denken schreibt: Der Gedanke des Paars wird nie von der Vorstellung einer Verbindung gelöst, und maßgebend bei der Regel der Zweiteiligkeit bleibt die Auffassung, dass beide Teile ein Ganzes darstellen. Der Gegensatz von Yin und Yang wird nicht (und wurde niemals) als grundsätzlicher und absoluter Gegensatz im Sinn von Sein und Nichtsein, Gut und Böse verstanden, sondern als ein relativer Gegensatz rhythmischer Art...

Eng verbunden mit den Begriffen Yin, Yang und Dao sind die Vorstellungen des rhythmischen Wandels (bian 變), der ungehinderten Durchdringung (tong 通) und der organischen Muster (li 理). Diese sind auch grundlegend für die Chinesische Medizin und generell für das chinesische Verständnis des menschlichen Lebens und seiner Prozesse. Und damit sind wir schon im Hier und Jetzt, auf dem Blog und beim heutigen Video. Diesmal nicht mit einer Qigongübung, sondern mit einfachen Bewegungen aus dem Taiji.

Yin und Yang (eine Zweiheit), und doch Dao (eine Einheit), im Taijisymbol ist dies jedem einsichtig. Für die Praktiken der Lebenspflege (yangsheng 養生) ist das Yin-Yang-Denken grundlegend, wichtig und notwendig. Dabei kommt es nicht darauf an, die komplexen Yin- Yang- und Qi-Muster der Chinesischen Medizin zu kennen, das ist nur für den Arzt wichtig, der zuerst diagnostisch die Abweichung von der natürlichen Ordnung feststellt und die Ordnung therapeutisch wieder herzustellen sucht, wobei die therapeutischen Mittel in erster Linie Kräutertherapie, Akupunktur und auch Ratschläge zur Lebensführung im Alltag sind. 

Wie in der Medizin geht es auch in der Praxis des Yangsheng um die Wiedergewinnung der natürlichen Ordnung. Der diagnostische Aspekt ist nicht so wichtig, da bei den diversen Methoden des Yangsheng (Qigong, Taiji, Meditation etc.) die Therapie nicht von außen kommt, sondern von innen. Praktiziert man z.B. Qigong, unterstützt man die Fähigkeit des Organismus, durch eigene Kraft, von innen, zurück zur natürlichen Ordnung zu finden. Dass dies möglich ist, zeigen die chinesischen Erfahrungen von über zweitausend Jahren.

Yin und Yang geben den Rhythmus des Tuns und der Vorgehensweise vor. Im letzten Video (und auch im heutigen) habe ich angesprochen, dass zwei Jahre Pandemie ihre Spuren hinterlassen haben. Länger dauernde Belastungen wirken sich auf die Balance von Yin und Yang aus, sie nagen quasi am Qi. Das Yin hat als erstes gelitten (mit resultierenden Problemen des Yang, das durch das Yin nicht mehr kontrolliert werden kann), doch dauert die Pandemie schon so lange, dass auch das Yang kollabiert und damit ein Zustand eingetreten ist, der viel ernster ist und dringend der Korrektur bedarf. Und ich meine da nicht nur den Einzelnen und seine körperliche und psychische Gesundheit, es betrifft auch die Gesellschaft als Ganzes. Wenn die Basis verlorengeht, entstehen Extreme aller Art, die sich in unter anderem in exzessivem oder auch aggressivem Verhalten äußern können, in unklarem und verwirrtem Denken, oder auch in Rückzug, Depression, Lethargie und Antriebslosigkeit. Und in vielem mehr, was man oft gar nicht so leicht als Problem oder als Ausdruck eines grundlegenden Problem zu identifizieren vermag. 

Mehr dazu ein anderes Mal. Die wechselseitige Abhängigkeit von Yin und Yang, die Qi-Muster, die sich gesetzmäßig einstellen, wenn ein Aspekt des Yin-Yang-Paars geschwächt ist, und wie man diesen (mit ihren resultierenden Problemen in Gesundheit und Wohlbefinden) entgegenwirkt, sind ein wichtiges Thema, auf das wir ein anderes Mal weiter eingehen werden. 

Um ein Disharmoniemuster zu regulieren, braucht es eine Strategie. Die versuchen wir mit den Übungen der derzeitigen Videos zu vermitteln. Wenn das Qi am Boden ist, kann man nicht einfach drauflosüben, das Qi ist erschöpft und jedes Üben (vor allem Qigong), fordert (und überfordert damit leicht) das Qi. Meditation ist bei einer solchen Disharmonie kontraindiziert, sie wäre zwar das Beste, um das Qi aufzubauen, doch braucht sie ein gewisses Fundament und eine Stabilität des Qi, um wirken zu können. Darum haben wir uns auf Übungen wie das Öffnen und Schließen, Heben und Senken verlegt, einfache Übungen, gekoppelt mit der Atmung, die nicht zu lange ausgeführt werden. Lieber kürzer üben, dafür aber ein paarmal am Tag. 

Und heute kommen auch noch einfache Taijibewegungen dazu. Qigong wirkt mehr von innen nach außen, Taiji hingegen wirkt von außen nach innen. Taiji ist in gewissem Sinne oberflächlicher, bewegt aber auch das Qi und es hat den großen Vorteil, dass seine Wirkung auf das Yin-Yang-Muster des Organismus ausbalanciert und ausgewogen ist. Ping bu ping xie 平補平瀉 nennt man das auf Chinesisch: ausgewogen aufbauen und reduzieren. Wenn die innere Unordnung groß ist, kann man nicht einfach aufbauen, sonst wird diese noch verstärkt, wenn das Qi geschwächt ist, kann man nicht einfach reduzieren, sonst wird es noch schwächer. Taiji wirkt gleichzeitig aufbauend und reduzierend, das Qi wird bewegt, aber bei moderatem Üben nicht überfordert, gleichzeitig wird das Qi harmonisiert, und im Zusammenspiel mit den einfachen Qigong-Übungen wird die Basis dafür gelegt, dass irgendwann auch aufbauende Übungen mit hinzugenommen werden können. 

Bewegen, Harmonisieren, Aufbauen, das ist die Strategie für die nächste Zeit.


Die Übungen zur Harmonisierung von Atem und Qi - Abschluss und die ganze Folge zum Mitüben

Dies ist nun das abschließende Video mit allen Übungen der Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi. Zuerst gehe ich detaillierter auf den A...