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Mittwoch, 23. März 2022

Der Weg richtet sich nach dem, was von selbst so ist...

Das heutige Video beginnt zuerst mit ein paar Übungen für das Dantian, und dann folgen wieder die Yuanminggong-Übungen. All dies, wie schon im letzten Posting erwähnt, um das Qi-Fundament der Gesundheit aufzubauen und zu stärken. Im Huangdi Neijing 黃帝內經, dem Inneren Klassiker des Gelben Kaisers heißt es: „Bei enger Verbindung von Yin und Yang sind Essenz und Geist geordnet. Trennen sich Yin und Yang, erschöpfen sich hingegen Essenz und Qi." 

Qigongübungen wie das Taiyi Yuanminggong eigenen sich hervorragend dazu, Yin und Yang zueinander zu führen und miteinander zu verschränken. Prof. Cong hat mir vor Jahren erzählt, dass das Yuanminggong zu den Übungen gehörte, die er bevorzugte, als er in seiner Funktion als Professor für Qigong an der Universität für Traditionelle Chinesische Medizin Fuzhou Patienten unterrichtete, da die Übungen so einfach und leicht zu erlernen und die therapeutischen Resultate so zufriedenstellend waren. Er meinte damals: „Sechs Mal am Morgen und sechs Mal am Abend geübt, dann zeigen sich schon sehr deutliche gesundheitliche Wirkungen." 

Die Yuanminggong-Übungen eigenen sich auch hervorragend dazu, in der Bewegung die Stille zu finden. Das Qi entspringt der Stille. Die schöpferischen Kräfte des Dao eröffnen sich erst in der Stille, in der Weichheit, im Lassen. Sich innerlich leer und still zu machen, generiert die Lebenskraft Qi und lässt sie frei fließen. 

Qigong zu üben, heißt die ganz konkreten Wirkungen der Stille und des Lassens allmählich für sich zu entdecken. Natürlich passiert es wohl jedem immer wieder, gerade bei der unglaublichen Fülle der Übungen, dass man sich verliert und auf das Wesentliche vergisst. Doch Qigong ist eigentlich etwas ganz Einfaches und Schlichtes. 

Man übt halbwegs regelmäßig, entspannt sich, beruhigt sich, denkt nicht zu viel über die Übungen nach und entwickelt, langsam, langsam, die Fähigkeit, zu tun, ohne zu tun. Wirkungen entstehen von selbst, in der tiefen Stille und Entspannung. Je weniger man sich einmischt, desto besser. Dao fa ziran 道法自然 - „das Dao richtet sich nach dem, was von selbst so ist und wird". Dieses Zitat aus dem Laozi ist eine der grundlegendsten Aussagen des Qigong, eine, auf der das gesamte Heilwissen Chinas beruht.

 



 

Sonntag, 20. März 2022

Taiyi Yuanminggong - wieder einmal

Ich wollte schon des längeren wieder einmal ein Video mit den Taiyi Yuanminggong-Übungen auf Blog und YouTube stellen, heute ist es soweit. 

Diese Übungen sind eine hervorragende Ergänzung und Bereicherung des Programms der letzten Zeit, also all der Übungen zur Öffnung zur Qi-Bahnen im Körper und Regulierung des Qi, und der stillen Übungen, die auf die Fähigkeit zu vertiefter Ruhen und Entspannung abzielen.

Die Yuanminggong-Übungen machen all dies und noch mehr. 

In Zeichen 63 des Yijing Vor der Vollendung heißt es: „Das Feuer ist oberhalb des Wassers:das Bild des Zustands vor dem Übergang. So ist der Edle vorsichtig in der Unterscheidung der Dinge, damit jedes auf seinen Platz kommt."

Richard Wilhelm kommentiert: „Das Feuer schlägt nach oben, das Wasser dringt nach unten, daher keine Vollendung. Wollte man sie gewaltsam durchführen, so entstünde Schaden. Darum muß man teilen, um zu verbinden. Man muß die Dinge so sorgfältig an ihren Platz stellen wie Feuer und Wasser, damit sie sich nicht bekämpfen."

Dies ist es, was man in den Yuanminggong-Übungen macht. Man führt die Yin- und Yangaspekte des Qi an den ihren Qualitäten und Bewegungsrichtungen gemäßen Platz. Das Yang-Feuer wird unter das Yin-Wasser gebracht, so dass Vollendung entsteht: „Beharrlichkeit bringt Heil. Keine Reue. Das Licht des Edlen ist wahrhaftig. Heil!" 

Gesundheit ist die enge Verbindung von Yin und Yang in einer Art, in der sie nicht gegeneinander wirken, sondern einander fördern. Verlieren sie hingegen ihre Verbindung, wird das Fundament der Gesundheit untergraben. Darum sind einfache und unspektakuläre Übungen wie das Taiyi Yuanminggong so wichtig, wirken sie doch als ein stetes Stärken und Festigen des Qi-Fundaments der Gesundheit.

Die Übungen nehmen wenig Zeit in Anspruch und sind hochwirksam. Es genügt, den Bewegungsablauf 6 bis 9x zu wiederholen. Die beste Übungszeit ist morgens, wenn sich das Yang-Qi der Natur entfaltet, zu anderen Zeiten zu üben geht natürlich auch.


Donnerstag, 20. Januar 2022

Ist das Herz friedlich, wird der Atem harmonisch.

Hier ist ein weiteres Qigong-Video. Ganz im Sinne der letzten habe es wieder sehr einfach gehalten, einfache Bewegungen in Verbindung mit dem Atem zuerst, gefolgt von der Yuanminggong-Übung. 

Zu Beginn zitiere ich eine für's Qigongüben sehr wichtige und wesentliche Formel: xin ping qi he 心平氣和 „Ist das Herz friedlich, wird der Atem harmonisch." „Ein friedliches Herz führt zu harmonischem Qi." 

Im Qigong, und noch mehr in der daoistischen Praxis, ist der Atem das Um und Auf (im Zusammenwirken mit dem Geist/der Aufmerksamkeit/der Konzentration). Eine solche Feinheit des Atems und der Aufmerksamkeit gilt es zu entwickeln, dass diese selbst dort einzudringen vermögen, „wo es keine Zwischenräume gibt". Das ist die hohe Kunst des Übens. 

Darum ist es wichtig, den Atem nicht zu zwingen, ihn nicht absichtlich länger, tiefer, feiner zu machen. Ein friedliches Herz führt zu harmonischem Atem, das ist der Beginn des Übens. Natürlichkeit - Das-was-von-selbst-so-ist - charakterisiert das Üben. Wie ein Seidenfaden, wirkend ohne Mühe (Laozi 6), das ist die Wirkung des Übens. 

Im heutigen Video versuche ich das zu thematisieren und zu vermitteln. Alle Heilwirkungen des Qigong basieren letzten Endes auf dem Zusammenspiel von shen 神 und qi 氣, Geist und Atem/Qi, auf Stille (靜 jing), Natürlichkeit (自然 ziran) und auf dem daoistischen Nicht-Tun (無為 wuwei).

In Kapitel 48 des Laozi heißt es: 

Wer sich dem Lernen widmet, sucht von Tag zu Tag zu vermehren.
Wer sich dem Dao widmet, sucht von Tag zu Tag vermindern. 
Er vermindert und vermindert, bis er beim Nicht-Tun anlangt.
Durch Nicht-Tun bleibt nichts ungetan.


Donnerstag, 16. Dezember 2021

Die Begegnung von Himmel und Erde - Eine Qigong-Übungsstunde

Hier sind ein paar Worte zu den Übungen des Ursprünglichen Lichts, die neben einer kurzen Wiederholung der  letzten jahreszeitlichen Übung wieder Inhalt des heutigen Videos sind.

Tai 泰 Friede - Kalligraphie von Wang Xizhi 王羲之 (303-361)
Richard Wilhelm 
übersetzt das Bild zum Hexagramm 11 (泰 Tai - Der Friede) des Yijing folgendermaßen:

Himmel und Erde vereinigen sich: das Bild des Friedens.
So teilt und vollendet der Herrscher
den Lauf von Himmel und Erde,
verwaltet und ordnet die Gaben von Himmel und Erde
und steht so dem Volke bei.

Richard Wilhelm kommentiert:

Die menschliche Tätigkeit muß in Zeiten des Blühens die Natur unterstützen. Sie muß eingeschränkt werden, wie die Erde die Wirkungen des Himmels einschränkt, um das Übermaß zu regeln. Auf der andern Seite muß sie gefördert werden, wie der Himmel die Gaben der Erde fördert, um Ungenügendes auszugleichen. Auf diese Weise kommt der Segen der Natur dem Volk zugute.

Und im Weiteren: 

Das Empfangende, dessen Bewegung sich nach unten senkt, ist oben, das Schöpferische, dessen Bewegung nach oben steigt ist unten. Ihre Einflüsse begegnen daher einander und sind in Harmonie, so daß alle Wesen blühen und gedeihen. Das Zeichen ist dem ersten Monat (Februar-März) zugeordnet, in dem die Kräfte der Natur den neuen Frühling vorbereiten.

Diese Aussagen kann man direkt auf die Qigong-Praxis übertragen. Alles Leben erstarrt und stagniert, wenn es die Fähigkeit zur Kommunikation verliert. Im Yijing wird dies pi 否 (die Stockung) genannt, ein Zustand des Verlustes an Kommunikation zwischen Yin und Yang, Erde und Himmel, der zu Verwirrung und Unordnung führt. Oder zu Krankheit, wenn man es auf die Gesundheit bezieht. Himmel und Erde vereinigen sich nicht, heißt es lakonisch im Yijing.

Qigong zu praktizieren, heißt hingegen: zu öffnen, durchgängig zu werden und zu kommunizieren, um die Kräfte des Lebens zur Entfaltung zu bringen und die Fähigkeit des Lebens zu Transformation und Bewegung zu erhalten. Kommunikation, Transformation und Bewegung, diese sind grundlegende Eigenschaften des Qi und damit des Lebens. Anders ausgedrückt: Qigong wirkt der Stockung entgegen, indem Yang und Yin wieder zueinander geführt werden. Himmel und Erde vereinigen sich, sodass der innere Frühling einkehren kann.

Um dies zu erreichen, ist es notwendig, die natürlichen Bewegungstendenzen des Qi zu verstehen. Yang bewegt sich nach oben, Yin nach unten. Damit sich die Kräfte zu treffen vermögen, muss das Yang unter das Yin geführt werden, wie z.B. eben in den Übungen des Ursprünglichen Lichts. 

Richard Wilhelm drückt es so aus: Das Zeichen ‚Der Friede' deutet in der Natur auf eine Zeit, da sozusagen der Himmel auf Erden ist. Der Himmel hat sich unter die Erde gestellt. So vereinigen sich ihre Kräfte in inniger Harmonie. Dadurch entsteht Friede und Segen für alle Wesen.

Das Zeichen schildert also einen ganz speziellen Zustand der Harmonie von Yin und Yang, Erde und Himmel: sie stehen miteinander in einer Beziehung, in der sie zueinander streben, einander fördern und ohne Hindernis durchdringen. Die potentielle Schwäche des Yin wird durch das Yang ausgeglichen, der mögliche Exzess des Yang durch das Yin im Zaum gehalten.

Dieser Zustand der Harmonie ist das Idealbild der Gesundheit. Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen! heißt es darum im Yijing. Anstatt Harmonie könnte man auch natürliche Regulation sagen. Qigong unterstützt diese natürliche Regulation der Lebenskräfte. Fördern die Yin- und Yang-Aspekte des Qi) einander und wirken zusammen, dann „funktioniert“ die Gesundheit, und das Leben kann sich zu seinen Möglichkeiten entfalten. 


Montag, 13. Dezember 2021

Entspannung und Ruhe - eine Qigong-Übungsstunde

Hier ist ein weiteres Übungsvideo. Einfache Bewegungen: Zuerst das Öffnen und Schließen, wie schon im letzten Video, danach die Übungen des ursprünglichen Lichtes und als Abschluss ein paar simple Massagen.

Qigong braucht nicht kompliziert zu sein, es genügt ein einfaches und ruhiges Tun. So kann man allmählich in einen natürlichen Zustand der Gelöstheit und Entspannung finden, und es wird - in der "stillsten Zeit des Jahres" besonders wichtig :) - innere Ruhe und Stille einkehren. 

Qigong zu üben heißt die eigenen Möglichkeiten von Gesundheit und Regeneration zu unterstützen. Diese haben mit der Bewegung des Qi zu tun, und diese wiederum mit Ruhe und Entspannung.

Die Entspannung ermöglicht die innere Bewegung des Qi, die vertiefte innere Ruhe verleiht der Bewegung Kraft. Die resultierende freie und harmonische Bewegung des Qi erlaubt, um es daoistisch zu formulieren, die Entfaltung dessen, was sich von selbst ergeben möchte. Sie ist die Basis der Gesundheit.


Dienstag, 30. November 2021

Eine Qigong-Übungsstunde

Die letzten Tage waren nicht einfach, Pandemie und Politik brechen immer wieder in unser Leben ein, wie zur Zeit etwa als Lockdown, als plötzliche Unterbrechung des Alltags, der ja schon wieder in gewissem Rahmen möglich war und in seiner Normalität als Raum zum Atmen empfunden werden konnte, oder als beunruhigende Nachrichten wie die derzeitigen über Omikron und die weitere mögliche Verlängerung der Pandemie auf unbestimmte Zeit.

Schwer, nicht zu reagieren, physisch, psychisch, geistig. Jeder reagiert anders, aber jeder reagiert. Das heißt, auch das Qi reagiert, und natürlich tendiert es in seiner Reaktion zum Verlust der inneren Ordnung. Konkret heißt das: je nach Person blockiert das Qi, oder es steigt ungeordnet auf, oder es fällt zusammen, oder etwas von allem.

Die innere Ordnung des Qi ist jedoch die eigene Gesundheit, sie ist das eigene Wohlbefinden, die Ruhe des Gemüts und vieles mehr, darum ist es so wichtig, diese nicht zu verlieren.

Man könnte alles, was in der Welt vorgeht, einfach zu ignorieren versuchen. Oder man könnte versuchen, alles wegzumeditieren. Oder die eigenen Gefühle zu kontrollieren. Aber all das wird nicht helfen. Ignorieren verhilft zu keinem geordneteren Qi, in einer Krise zu meditieren ist gegen alle Grundsätze des Qigong, und der Versuch der Kontrolle blockiert das Qi sogar noch mehr.

Was man aber tun kann, ist simples Qigong. Darum habe ich heute auch wieder ein längeres Video mit einfachen Übungen zum Mitüben produziert. Diese Art Qigong zu üben, mittels einfacher Übungen, macht etwas sehr Wesentliches: sie schafft innerlich Raum und erlaubt dem Qi zu fließen. Probleme gehen dadurch nicht weg, aber der geweitete innere Raum erlaubt dem Qi, sich wieder freier zu bewegen. Das ist genug, um sich besser zu fühlen, das ist auch genug, um sich ruhiger zu fühlen, und die innere Ordnung beginnt sich allmählich wieder einzustellen.

Das ist für jeden erreichbar, man muss kein großer Spezialist im Qigong sein. Die natürliche Bewegung des Qi muss nicht gelernt werden, ist sie doch die natürliche Bewegung des Lebens, ein natürlicher Prozess, der nicht gemacht zu werden braucht. Es genügt, ihn zuzulassen. Zuzulassen, indem man sich darauf einlässt, in Einfachheit, Leichtigkeit und Lockerheit. Qigong ist einfach das Mittel dazu.


Die Übungen zur Harmonisierung von Atem und Qi - Abschluss und die ganze Folge zum Mitüben

Dies ist nun das abschließende Video mit allen Übungen der Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi. Zuerst gehe ich detaillierter auf den A...