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Montag, 24. Januar 2022

Einmal Yin, einmal Yang - Teil 3

Im Video heute geht es weiter mit den einfachen Taijiübungen.

Dass Qigong mit Taiji kombiniert wird, ist weit verbreitet und sehr sinnvoll. Taiji unterscheidet sich zwar in vielem von Qigong, auch was bestimmte Aspekte des yangsheng, der Lebenspflege angeht, doch macht gerade dies Taiji zu einer sinnvollen Ergänzung des Qigong. 

Um nur ein paar Beispiele aus Kerrys und meinem „chinesischen" Umfeld zu geben.

Prof. Lin Zhongpeng vom Institut für Fortgeschrittene Qigong-Studien in Peking meinte, Qigong brauche die Ergänzung durch Taiji. Die tiefe Stille des Qigong, die die Selbstorganisationsprozessen des Körpers fördere, werde durch das mehr physische Taiji ideal ergänzt. Beiden Methoden geht es um das Qi und seine Regulierung, doch ist die Herangehensweise sehr verschieden. (Mehr dazu ein anderes Mal, das ist eine komplexere Diskussion.) Prof. Lin war es jedenfalls sehr wichtig, dafür zu sorgen, dass auch Taiji in das Curriculum der Qigong-Ausbildung aufgenommen wurde. 

Als Prof. Lin Kerry und mich bei Shen Yuewu und seinem Sohn, den Stammhaltern der daoistischen Fanhuangong-Tradition, einführte und wir dann offiziell als Schüler angenommen wurden, gehörte ein spezielles „Taiji des alchemischen Weges" zu den ersten Übungen, die uns gezeigt wurden. Auch das von Wang Guoyi unterrichtete stark vereinfachte Taiji zur Rehabilitation von Lungenerkrankungen, das ich letztes Jahr auf den Blog gestellt habe, stammt aus dem Umfeld der Meister des Fanhuangong. 

Bei der daoistischen Heilerin Jia Laoshi wurden wir über die Jahre nicht nur in Qigong, sondern auch in dem von ihr praktizierten Taiji unterrichtet, dem sogenannten „Taiji der Verdreckten" oder „Taiji der Nachlässigen", das als ursprünglichstes Taiji des Daoismus gilt.

Auch in der Pandemie wurde in China sowohl auf Taiji als auch auf Qigong zurückgegriffen. Qigong-Übungen wie die Acht-Brokat-Übungen, die Übungen der Heilenden Laute und andere wurden als Methoden sowohl der Vorbeugung als auch der Therapie und Rehabilitation propagiert, dasselbe gilt für Taiji. Gleich zu Beginn der Pandemie rief der Pulmonologe Zhong Nanshan, der oberste Berater der Regierung, die Bevölkerung dazu auf, zur Krankheitsvorbeugung Taiji zu praktizieren. Schon in den Jahren vor der Pandemie hatte er als Ergebnis von ihm durchgeführter Studien berichtet, dass Taiji eine geeignete Alternative zur traditionellen Lungenrehabilitation sei und möglicherweise sogar bessere Langzeiteffekte habe.

Komplexere Formen (wie z.B. das „Taiji der Verdreckten") kann ich über YouTube und Blog natürlich nicht vermitteln. Doch braucht es diese nicht, die positiven Wirkungen auf die Gesundheit entstehen auch bei regelmäßigem Üben einfachster Bewegungsabläufe. Solcherart zu üben ist, vor allem für Anfänger, sogar sinnvoller, das es gleich um den Gehalt (die Wirkung) und nicht nur um die Form geht. Die Gefahr beim Taiji-Üben besteht ja immer, dass man sich in äußeren Abläufen verliert und auf das Wesentliche, nämlich Gesundheit, innere Ausgeglichenheit und geistige Klarheit, vergisst.

Montag, 17. Januar 2022

Einmal Yin, einmal Yang - Fortsetzung

Inhalt des heutigen Videos sind zuerst Übungen zur Regulation von Atem und Qi, danach geht es weiter mit den einfachen Taiji-Übungen.

Eine der ältesten Erwähnungen des Taiji stammt aus dem Yijing, dem Buch der Wandlungen, dort wird das Taiji als der Ursprung von Yin und Yang bezeichnet. Taiji ist die ursprüngliche Einheit, der Yin und Yang, die zwei Kräfte, die vier Jahreszeiten, die acht Trigramme und im weiteren das ganze lebendige Universum entspringen.

Ohne das Buch der Wandlungen bleiben die Geheimnisse des Taiji nicht zugänglich. Cheng Lingxi 程靈洗 aus dem 6. Jahrhundert meint hierzu: Ohne die ausschließliche Beschäftigung mit dem Yijing kann Taijiquan nicht begriffen werden. Man muss Tag und Nacht im innersten Herzen zu den Lehren des Yijing erwachen, diese mittels des Körpers verstehen und jenseits der Bilder gelangen, dann wird einem die Erkenntnis des Wunderbaren zuteil.

Einmal Yin, einmal Yang, dies ist das Dao. Das Dao meint hier den „Weg" sowohl als transzendenten Ursprung und immanentes Urprinzip der Welt, als auch als persönlichen „Weg", als Methode, in die Harmonie mit dem allgemeinen Wandel und schöpferischen Geschehen zu finden. Der Gesundheit nützt's, auch der guten Laune und dem Wohlbefinden...


Sonntag, 9. Januar 2022

Einmal Yin, einmal Yang ...

Ein Yin, ein Yang, das ist das Dao, so heißt es in den Angeknüpften Worten, einem der alten Kommentare zum Yijing, dem Buch der Wandlungen. Jede Einheit, jede Ganzheit, vom großen Ganzen des Universums bis zu den 10000 Wesen, von denen der Mensch eines ist, ist durch das Gegensatzpaar von Yin und Yang charakterisiert, sowohl zeitlich als Abfolge, als eine Zeit des Yin und eine des Yang, als auch räumlich, als eine Seite Yin und eine Seite Yang. Durch die Begriffe Yin und Yang wird die Ordnung von Universum, menschlicher Gemeinschaft und Einzelwesen erfasst, das sinnvolle Ganze, das den Teilen zugrunde liegt. 

Wie Marcel Granet in Das chinesische Denken schreibt: Der Gedanke des Paars wird nie von der Vorstellung einer Verbindung gelöst, und maßgebend bei der Regel der Zweiteiligkeit bleibt die Auffassung, dass beide Teile ein Ganzes darstellen. Der Gegensatz von Yin und Yang wird nicht (und wurde niemals) als grundsätzlicher und absoluter Gegensatz im Sinn von Sein und Nichtsein, Gut und Böse verstanden, sondern als ein relativer Gegensatz rhythmischer Art...

Eng verbunden mit den Begriffen Yin, Yang und Dao sind die Vorstellungen des rhythmischen Wandels (bian 變), der ungehinderten Durchdringung (tong 通) und der organischen Muster (li 理). Diese sind auch grundlegend für die Chinesische Medizin und generell für das chinesische Verständnis des menschlichen Lebens und seiner Prozesse. Und damit sind wir schon im Hier und Jetzt, auf dem Blog und beim heutigen Video. Diesmal nicht mit einer Qigongübung, sondern mit einfachen Bewegungen aus dem Taiji.

Yin und Yang (eine Zweiheit), und doch Dao (eine Einheit), im Taijisymbol ist dies jedem einsichtig. Für die Praktiken der Lebenspflege (yangsheng 養生) ist das Yin-Yang-Denken grundlegend, wichtig und notwendig. Dabei kommt es nicht darauf an, die komplexen Yin- Yang- und Qi-Muster der Chinesischen Medizin zu kennen, das ist nur für den Arzt wichtig, der zuerst diagnostisch die Abweichung von der natürlichen Ordnung feststellt und die Ordnung therapeutisch wieder herzustellen sucht, wobei die therapeutischen Mittel in erster Linie Kräutertherapie, Akupunktur und auch Ratschläge zur Lebensführung im Alltag sind. 

Wie in der Medizin geht es auch in der Praxis des Yangsheng um die Wiedergewinnung der natürlichen Ordnung. Der diagnostische Aspekt ist nicht so wichtig, da bei den diversen Methoden des Yangsheng (Qigong, Taiji, Meditation etc.) die Therapie nicht von außen kommt, sondern von innen. Praktiziert man z.B. Qigong, unterstützt man die Fähigkeit des Organismus, durch eigene Kraft, von innen, zurück zur natürlichen Ordnung zu finden. Dass dies möglich ist, zeigen die chinesischen Erfahrungen von über zweitausend Jahren.

Yin und Yang geben den Rhythmus des Tuns und der Vorgehensweise vor. Im letzten Video (und auch im heutigen) habe ich angesprochen, dass zwei Jahre Pandemie ihre Spuren hinterlassen haben. Länger dauernde Belastungen wirken sich auf die Balance von Yin und Yang aus, sie nagen quasi am Qi. Das Yin hat als erstes gelitten (mit resultierenden Problemen des Yang, das durch das Yin nicht mehr kontrolliert werden kann), doch dauert die Pandemie schon so lange, dass auch das Yang kollabiert und damit ein Zustand eingetreten ist, der viel ernster ist und dringend der Korrektur bedarf. Und ich meine da nicht nur den Einzelnen und seine körperliche und psychische Gesundheit, es betrifft auch die Gesellschaft als Ganzes. Wenn die Basis verlorengeht, entstehen Extreme aller Art, die sich in unter anderem in exzessivem oder auch aggressivem Verhalten äußern können, in unklarem und verwirrtem Denken, oder auch in Rückzug, Depression, Lethargie und Antriebslosigkeit. Und in vielem mehr, was man oft gar nicht so leicht als Problem oder als Ausdruck eines grundlegenden Problem zu identifizieren vermag. 

Mehr dazu ein anderes Mal. Die wechselseitige Abhängigkeit von Yin und Yang, die Qi-Muster, die sich gesetzmäßig einstellen, wenn ein Aspekt des Yin-Yang-Paars geschwächt ist, und wie man diesen (mit ihren resultierenden Problemen in Gesundheit und Wohlbefinden) entgegenwirkt, sind ein wichtiges Thema, auf das wir ein anderes Mal weiter eingehen werden. 

Um ein Disharmoniemuster zu regulieren, braucht es eine Strategie. Die versuchen wir mit den Übungen der derzeitigen Videos zu vermitteln. Wenn das Qi am Boden ist, kann man nicht einfach drauflosüben, das Qi ist erschöpft und jedes Üben (vor allem Qigong), fordert (und überfordert damit leicht) das Qi. Meditation ist bei einer solchen Disharmonie kontraindiziert, sie wäre zwar das Beste, um das Qi aufzubauen, doch braucht sie ein gewisses Fundament und eine Stabilität des Qi, um wirken zu können. Darum haben wir uns auf Übungen wie das Öffnen und Schließen, Heben und Senken verlegt, einfache Übungen, gekoppelt mit der Atmung, die nicht zu lange ausgeführt werden. Lieber kürzer üben, dafür aber ein paarmal am Tag. 

Und heute kommen auch noch einfache Taijibewegungen dazu. Qigong wirkt mehr von innen nach außen, Taiji hingegen wirkt von außen nach innen. Taiji ist in gewissem Sinne oberflächlicher, bewegt aber auch das Qi und es hat den großen Vorteil, dass seine Wirkung auf das Yin-Yang-Muster des Organismus ausbalanciert und ausgewogen ist. Ping bu ping xie 平補平瀉 nennt man das auf Chinesisch: ausgewogen aufbauen und reduzieren. Wenn die innere Unordnung groß ist, kann man nicht einfach aufbauen, sonst wird diese noch verstärkt, wenn das Qi geschwächt ist, kann man nicht einfach reduzieren, sonst wird es noch schwächer. Taiji wirkt gleichzeitig aufbauend und reduzierend, das Qi wird bewegt, aber bei moderatem Üben nicht überfordert, gleichzeitig wird das Qi harmonisiert, und im Zusammenspiel mit den einfachen Qigong-Übungen wird die Basis dafür gelegt, dass irgendwann auch aufbauende Übungen mit hinzugenommen werden können. 

Bewegen, Harmonisieren, Aufbauen, das ist die Strategie für die nächste Zeit.


Die Übungen zur Harmonisierung von Atem und Qi - Abschluss und die ganze Folge zum Mitüben

Dies ist nun das abschließende Video mit allen Übungen der Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi. Zuerst gehe ich detaillierter auf den A...