Hier sind ein paar Worte zu den Übungen des Ursprünglichen Lichts, die neben einer kurzen Wiederholung der letzten jahreszeitlichen Übung wieder Inhalt des heutigen Videos sind.
Himmel und Erde vereinigen sich: das Bild des Friedens.
So teilt und vollendet der Herrscher
den Lauf von Himmel und Erde,
verwaltet und ordnet die Gaben von Himmel und Erde
und steht so dem Volke bei.
Richard Wilhelm kommentiert:
Die menschliche Tätigkeit muß in Zeiten des Blühens die Natur unterstützen. Sie muß eingeschränkt werden, wie die Erde die Wirkungen des Himmels einschränkt, um das Übermaß zu regeln. Auf der andern Seite muß sie gefördert werden, wie der Himmel die Gaben der Erde fördert, um Ungenügendes auszugleichen. Auf diese Weise kommt der Segen der Natur dem Volk zugute.
Und im Weiteren:
Das Empfangende, dessen Bewegung sich nach unten senkt, ist oben, das Schöpferische, dessen Bewegung nach oben steigt ist unten. Ihre Einflüsse begegnen daher einander und sind in Harmonie, so daß alle Wesen blühen und gedeihen. Das Zeichen ist dem ersten Monat (Februar-März) zugeordnet, in dem die Kräfte der Natur den neuen Frühling vorbereiten.
Diese Aussagen kann man direkt auf die Qigong-Praxis übertragen. Alles Leben erstarrt und stagniert, wenn es die Fähigkeit zur Kommunikation verliert. Im Yijing wird dies pi 否 (die Stockung) genannt, ein Zustand des Verlustes an Kommunikation zwischen Yin und Yang, Erde und Himmel, der zu Verwirrung und Unordnung führt. Oder zu Krankheit, wenn man es auf die Gesundheit bezieht. Himmel und Erde vereinigen sich nicht, heißt es lakonisch im Yijing.
Qigong zu praktizieren, heißt hingegen: zu öffnen, durchgängig zu werden und zu kommunizieren, um die Kräfte des Lebens zur Entfaltung zu bringen und die Fähigkeit des Lebens zu Transformation und Bewegung zu erhalten. Kommunikation, Transformation und Bewegung, diese sind grundlegende Eigenschaften des Qi und damit des Lebens. Anders ausgedrückt: Qigong wirkt der Stockung entgegen, indem Yang und Yin wieder zueinander geführt werden. Himmel und Erde vereinigen sich, sodass der innere Frühling einkehren kann.
Um dies zu erreichen, ist es notwendig, die natürlichen Bewegungstendenzen des Qi zu verstehen. Yang bewegt sich nach oben, Yin nach unten. Damit sich die Kräfte zu treffen vermögen, muss das Yang unter das Yin geführt werden, wie z.B. eben in den Übungen des Ursprünglichen Lichts.
Richard Wilhelm drückt es so aus: Das Zeichen ‚Der Friede' deutet in der Natur auf eine Zeit, da sozusagen der Himmel auf Erden ist. Der Himmel hat sich unter die Erde gestellt. So vereinigen sich ihre Kräfte in inniger Harmonie. Dadurch entsteht Friede und Segen für alle Wesen.
Das Zeichen schildert also einen ganz speziellen Zustand der Harmonie von Yin und Yang, Erde und Himmel: sie stehen miteinander in einer Beziehung, in der sie zueinander streben, einander fördern und ohne Hindernis durchdringen. Die potentielle Schwäche des Yin wird durch das Yang ausgeglichen, der mögliche Exzess des Yang durch das Yin im Zaum gehalten.
Dieser Zustand der Harmonie ist das Idealbild der Gesundheit. Das Kleine geht hin, das Große kommt her. Heil! Gelingen! heißt es darum im Yijing. Anstatt Harmonie könnte man auch natürliche Regulation sagen. Qigong unterstützt diese natürliche Regulation der Lebenskräfte. Fördern die Yin- und Yang-Aspekte des Qi) einander und wirken zusammen, dann „funktioniert“ die Gesundheit, und das Leben kann sich zu seinen Möglichkeiten entfalten.