Dienstag, 19. April 2022

Sanfter Frühlingsregen und fallende Blüten

Still und entspannt sitzen, während man sich vorstellt, dass ein erfrischender, belebender, warmer Frühlingsregen von oben nach unten über den Körper nieselt und rieselt. Oder dass Blüten allenthalben langsam fallen und zu Boden schweben, während man den Spätfrühling unter Bäumen sitzend genießt. Dies ist eine Übung des stillen Sitzens, die Prof. Cong ihrer gesundheitlichen Wirkungen wegen hoch schätzte und immer wieder unterrichtete, als er 1988 zum ersten Mal nach Österreich kam.

Diese Übung steht ganz in der traditionellen Praxis des stillen Sitzens, in der es in erster Linie darum geht, sich tief zu entspannen und wohl zu fühlen, die Gedanken nicht zu beachten und den belebenden Fluss des Yang aus dem Yin entstehen zu lassen. Die warme innere Bewegung des Qi ist es, die dann zu tiefgreifenden positiven Wirkungen auf die Gesundheit führt.

Die Übung führt das Qi nach unten, sie ordnet es, nährt es und regeneriert es. Sie ist als hervorragende Ergänzung der bewegten Qigong-Übungen für jeden geeignet. Besonders empfehlenswert ist sie für diejenigen, die sich generell müde und erschöpft fühlen, die das Gefühl haben, dass ihnen alles zuviel ist, und auch für diejenigen, die sich in der Rekonvaleszenz nach einer Krankheit befinden.

Samstag, 16. April 2022

Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen - 2

Hier ist nun der zweite Teil der Übung „Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen". 

Ein Video zum Mitüben mit allen bisherigen Übungen zur Regulierung von Atem und Qi folgt in den nächsten Tagen.


Mittwoch, 13. April 2022

Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen - 1

Es fehlt nicht mehr viel, dann ist die Übungsfolge zur Regulierung von Atem und Qi vollständig. Hier ist nun der erste Teil der vorletzten Übung: Die Wolken teilen, um die Sonne durchzulassen.

Die Übung besteht aus einem Verlagern des Gewichts, verbunden mit einer Hüftdrehung, wie schon beim Kreisen vor dem Dantian, der neunten Bewegung der Folge. Dazu kommt ein Kreisen der Arme, sehr ähnlich den Wolkenhänden im Taiji, allerdings mit einer zusätzlichen Rotation der Hände.

Gewichtsverlagerung und Hüftdrehung wirken sich stärkend auf das Qi im Dantian aus, stimulieren den mingmen 命門 (den vierten Punkt des Lenkergefäßes) und bewegen das Qi im daimai 帶脈 (Gürtelmeridian) und natürlich auch in den Beinmeridianen.

Auch die Armbewegung stärkt Dantian und Qi-Fundament des Körpers, da mit jedem Kreis das Qi an den Ursprung zurückgeführt wird. Darüber hinaus orientieren sich die Bewegung der Arme und die Rotation der Hände an den Kardinalrichtungen des Qi (nach oben, unten, außen und innen) und regulieren damit die Qi-Bewegung im ganzen Körper.

Sonntag, 10. April 2022

Die Weiden wiegen sich im Wind, zusammen mit anderen Übungen...

Hier ist ein Video für den Sonntag: die Übung der sich im Wind wiegenden Weiden, im Zusammenhang mit anderen Übungen der Folge.

Ich musste zweimal unterbrechen, darum schaue ich immer wieder zum Fenster und darum dann auch die Schnitte im Video, da ein Turmfalke, der regelmäßig auf Besuch kommt, Aufmerksamkeit forderte und draußen vor dem Fenster einen Riesenkrawall machte. :)

Freitag, 8. April 2022

Die Massage von zanzhu 攢竹

Hier ist, ergänzend zum Punkt yanglao 養老, eine weitere hervorragende, sehr zu empfehlende und einfache Massage, die den Augen guttut: die Massage des Punktes zanzhu 攢竹.

Zanzhu ist der zweite Akupunkturpunkt auf dem Blasenmeridian (pangguangjing 膀胱經). Er befindet sich in einer kleinen Vertiefung am inneren Ende der Augenbraue, direkt über dem inneren Augenwinkel (oberhalb des medialen canthus nasalis), und oberhalb von jingming 睛明, dem ersten Punkt des Blasenmeridians. Der Punkt kann ertastet werden, indem man (wie ich im Video zeige) mit dem Zeigefinger vom Punkt zwischen den Augenbrauen zum inneren Ende der Augenbrauen hin streicht. Dort findet man einen etwas vertieften Punkt, der sich bei Druck oft ein wenig empfindlich anfühlt.

Zanzhu ist ein wichtiger Punkt für die Behandlung jeglicher Art von Augenproblemen, und wenn er massiert wird, verbindet er sich mit dem unmittelbar darunter liegenden Punkt, jingming, und aktiviert ihn. Das Verbinden zweier Punkte ist eine gängige Technik in der Akupunktur, die als "Durchnadelung" bezeichnet wird. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Nadel durch beide Punkte gestochen wird, sondern vielmehr, dass das Qi der beiden Punkte verbunden wird. Die Massage hat ebenfalls diese Wirkung der Verbindung des Qi der beiden Punkte.

Wenn man mit dem eigenen Finger den Punkt zanzhu massiert, wird also das Qi in diesem Punkt stimuliert und kommuniziert mit dem Qi von jingming, wodurch die therapeutische Wirkung nicht nur des einen Punktes, sondern beider Punkte zusammen aktiviert wird. Es ist wie beim Zusammenstellen eines Rezeptes für Kräutermedizin - man verwendet eine Hauptdroge, die "Herrscher" genannt wird, weil sie die Qi-Wirkung des gesamten Rezepts bestimmt, und fügt eine zweite Droge hinzu, die "Minister" genannt wird, weil sie diese eine Wirkung verstärkt und potenziert. Wenn man zanzhu massiert, wird also die Qi-Wirkung dieses Punktes durch die gleichzeitige Stimulation des Punktes jingming verstärkt, was wiederum die Gesamtwirkung der Massage potenziert.

Jingming ist ein sehr besonderer Punkt, Treffpunkt fast aller Yang-Meridiane des Körpers. In den klassischen Texten der Chinesischen Medizin heißt es, dass das "Yang das Äußere regiert". Dass die Yang-Meridiane an diesem Punkt zusammentreffen, bedeutet also, dass seine Stimulation therapeutisch als auch schützend wirkt in Bezug auf alles, was von außen auf die Augen trifft wie Wind, Hitze, Kälte, Trockenheit, Pollen oder sogar Viren.

Darüberhinaus treffen sich in diesem Punkt auch drei der inneren "Acht außergewöhnlichen Kanäle" (qijing bamai 奇經八脈).

Diese sind:

Der dumai 督脈 (Kanal der Steuerung), der am Steißbein beginnend über Wirbelsäule, Nacken und Schädel bis zur Falte zwischen Oberlippe und Kiefer verläuft. Er reguliert das Qi aller Yang-Kanäle;

der yangqiaomai 陽蹺脈, der vom Außenknöchel die Seite des Körpers aufwärts und über die Schulter zum inneren Augenwinkel verläuft, von dort weiter über den Kopf, bis er am Hinterkopf in das Gehirn eintritt. Von ihm gesagt wird, dass er "die Aktivität beherrscht";

und der yinqiaomai 陰蹺脈, der vom Innenknöchel die Innenseite des Beins aufwärts und weiter den Rumpf hinauf verläuft, bis zum den inneren Augenwinkel. Von ihm wird gesagt, dass er "die Ruhe beherrscht".

Der Punkt zanzhu hat drei spezifische Wirkungen:

Er beseitigt Wind (schützt also vor allem, was das Auge von außen angreift oder in es eindringt), klärt durch innere oder äußere Faktoren verursachte Hitze, klärt den Kopf und nützt den Augen, d.h. er hilft dem klaren Yang, zu Augen und Gehirn aufzusteigen, und harmonisiert Qi und Blut, um die Augen zu nähren.

In der Praxis bedeutet all dies, dass die Massage des Punktes zanzhu bei allem helfen kann, was das gesunde Funktionieren des Qi der Augen stört, sei es durch äußere Klimafaktoren wie Wind, Hitze, Viren, Allergien usw. bedingt oder durch innere Faktoren wie Erschöpfung, Überbeanspruchung der Augen, Stress, Alter usw. verursacht. Die potenzielle Wirksamkeit der Massage wird durch die besondere Qi-Verbindung zwischen den Punkten zanzhu und jingming erheblich gesteigert.

Die Massage ist sehr einfach: wie im Video gezeigt, mit den Zeigefingern mit leichtem Druck kreisend massieren, ein paar Minuten lang.



Dienstag, 5. April 2022

Die Weiden schwanken im Wind

Die Weiden in Wien sind in den letzten Tagen ergrünt, dazu passend gibt es hier  „im Wind schwankende Weiden", eine weitere Bewegung aus der Übungsfolge zur Regulation von Atem und Qi.

Die Übung öffnet die Körperseiten, bewegt vor allem das Qi in Leber- und Gallenblasenmeridian und wirkt Stagnationen des Leber-Qi (ganqi yujie 肝氣鬱結) entgegen. Das wirkt sich in der Folge auf den Fluss von Qi und Blut im ganzen Körper aus, die sich dann freier und ungehinderter bewegen können. 

Die Bewegung ist etwas komplizierter als die anderen der Folge. Darum ist es besonders wichtig, während des Übens entspannt zu bleiben und nicht zu viel zu wollen. Ein leichtes Strecken bzw. Beugen der Körperseiten genügt schon, dass die Übung wirkt. Das Qi entspringt nicht der Bewegung, sondern der Entspannung und der inneren Stille. Entspannung und Stille sind die Grundlage, auf der sich dann eine tiefer gehende Wirkung der Bewegungen entfalten kann.


Sonntag, 3. April 2022

Tiao Qi Gong 調氣功 - Übungen zu Regulation von Atem und Qi

Angekündigt habe ich es ja schon, hier ist es nun: das Video zum Mitüben mit allen bisherigen Bewegungen aus der Übungsfolge zur Regulierung von Atem und Qi.

Den Bewegungen habe ich eine ruhige Übung im Stehen vorausgestellt, die zu Aufbau und Stärkung des Qi im Dantian dient, wodurch die folgenden bewegten Übungen wirkungsvoller werden. Jing ji sheng dong 靜極生動 - „Bewegung entsteht aus der tiefsten Stille", eines der wichtigsten Übungsprinzipien des Qigong. In tiefer innerer Stille und Ruhe entwickelt sich das Qi und gewinnt Kraft, die dann in den bewegten Übungen zur Wirkung kommen kann.

Im Video dauert das ruhige Stehen nur kurz, ein, zwei Minuten. Man kann natürlich auch länger stehen, fünf, zehn Minuten lang, oder noch mehr. Man sollte damit aber nicht übertreiben, am besten verlängert man die Stehzeit nur allmählich, damit sich der Körper daran gewöhnen kann und das Qi nicht überfordert wird.


Die Übungen zur Harmonisierung von Atem und Qi - Abschluss und die ganze Folge zum Mitüben

Dies ist nun das abschließende Video mit allen Übungen der Folge zur Harmonisierung von Atem und Qi. Zuerst gehe ich detaillierter auf den A...