Die chinesische rote Dattel (auch bekannt als hongzao 紅棗 / dazao 大棗 / Jujubae Fructus) ist eine der wichtigsten tonisierenden Heilpflanzen der Materia Medica der TCM, die auch in vielen Nahrungs- und Tee-Rezepturen der Diätetik zur Anwendung kommt. Die roten Datteln werden als süß und warm klassifiziert und wirken auf die Meridiane von Milz (pi 脾) und Magen (wei 胃).
Kennt man die charakteristischen Qi-Eigenschaften eines bestimmten Lebensmittels und die Meridiane, durch die es in den Körper gelangt, dann kann man bereits eine Vorstellung davon haben, welche Qi-Wirkung es auf den Körper hat. Bei den roten Datteln ist es so, dass sie das Qi der Verdauung tonisieren und harmonisieren, das Blut nähren und Flüssigkeiten erzeugen. Sie haben auch eine „entgiftende“ Wirkung und werden daher verwendet, um Nahrungsmitteln oder anderen Substanzen, die sich gegen unser natürliches, gesundes Qi richten, entgegenzuwirken oder sie zu mildern.
Es gibt viele Rezepte für verschiedenste Suppen, Eintöpfe, Congees und Tees, in denen rote Datteln enthalten sind. Hier möchte ich einen Tee vorstellen, der traditionellerweise im Frühjahr für den Zeitraum von ein bis zwei Wochen täglich getrunken wird.
Dazao Gouqi Cha 大棗枸杞茶 - Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren
Zutaten:
5 getrocknete rote chinesische Datteln, entkernt
1 Esslöffel Gojibeeren
4 große Tassen Wasser
Zubereitung:
1. Bereits entkernte Datteln einfach unter fließendem Wasser gut abwaschen und dann mit der Spitze eines scharfen Messers ca. 7 kleine Schnitte in die Datteln machen (wenn die Datteln entkernt sind, ist es einfacher, sie zunächst etwa 20 Minuten in kaltem Wasser einzuweichen, sie dann zu halbieren und die harten Kerne zu entfernen. In diesem Fall ist es nicht nötig, weitere Schnitte in das Fruchtfleisch zu machen).
2. Datteln und Gojibeeren in einen Topf mit 4 Tassen kaltem Wasser geben und bei starker Hitze zum Kochen bringen. Dann den Deckel auflegen, die Hitze auf niedrig stellen und 20 bis 30 Minuten köcheln lassen, bis das Wasser eine rötliche Farbe annimmt. Zu diesem Zeitpunkt wird das Wasser um etwa die Hälfte reduziert sein, die Datteln sind weichgekocht und alle Qi-Eigenschaften sind im Teewasser enthalten.
3. Den Tee abgießen und in zwei Portionen teilen (die Datteln wegwerfen). Eine Portion wird am Morgen (zwischen Frühstück und Mittagessen) und die zweite Portion am Abend getrunken.
Dieser Tee hat die fast unmittelbare Wirkung der Beruhigung des Herz-Qi, was einen erholsamen Schlaf ermöglicht. Im Frühjahr ca. ein bis zwei Wochen lang täglich getrunken, wärmt und unterstützt er das Qi von Milz und Magen, erzeugt Körperflüssigkeiten (siehe weiter unten), nährt das Blut, beruhigt den Geist, reguliert die Emotionen, harmonisiert die Yin- und Yang-Aspekte des Immunsystems, stärkt das Qi und das Yin der Leber, und hellt auch die Augen auf und beruhigt sie.
Nach dem berühmten medizinischen Gelehrten Li Shizhen 李世珍 aus dem 16. Jahrhundert (einem der Begründer der traditionellen chinesischen Kräutermedizin) gelangen rote Datteln über den Milzmeridian in die Blutebene des Qi und können so Yin und Yang, die innere und äußere Ebene des schützenden Qi, harmonisieren und „Yin- und Yang-Flüssigkeiten" erzeugen - d. h. jene Flüssigkeiten, die für die Schmierung aller inneren Organe des Körpers, der Sinnesorgane und des Gehirns verantwortlich sind, sowie jene, die für die Speichel- und Schweißproduktion und die Befeuchtung des „äußeren" Körpers benötigt werden.
Im Shennong Ben Cao Jing 神農本草經 (dem allerersten Buch der Materia Medica, das im 3. Jahrhundert geschrieben wurde) wird die rote Dattel als "überlegenes Arzneimittel" eingestuft, da sie „das pathogene Qi in Herz und Unterleib reguliert, die Mitte beruhigt, die Milz nährt und die zwölf Kanäle unterstützt. Sie beruhigt das Magen-Qi, deblockiert die neun Körperöffnungen, tonisiert vermindertes Qi und Flüssigkeitsmangel, wirkt gegen jede Art von Unzulänglichkeit im Körper, gegen starke Nervosität, gegen Schwere der Gliedmaßen und harmonisiert die hundert Arzneimittel.“
Gojibeeren unterstützen und verstärken all diese Wirkungen. Sie haben einen süßen Geschmack und sind von Natur aus neutral. Sie gelangen in den Körper durch die Meridiane der Leber (gan 肝), der Lunge (fei 肺) und der Nieren (shen 腎). Da die Gojibeere weder wärmend noch kühlend wirkt, hat sie eine tonisierende Wirkung auf Qi und Yin von Leber und Niere, was bedeutet, dass sie das Qi des Blutes und der Essenz erreicht. Diese Beere hat auch eine besondere Wirkung - sie fällt in die Kategorie der tonisierenden Kräuter für das Jing 精 / die Essenz und „erhellt die Augen". Ihre befeuchtenden und anreichernden Eigenschaften befeuchten die Lungen, lindern Trockenheit und Schwindel durch Wind (entweder inneren Wind, der eine Manifestation von erschöpftem Leber-Yin ist, oder äußeren Wind durch das Wetter).
Man kann also sagen, dass dieser einfache Tee, der traditionellerweise während eines kurzen Zeitraum im Frühling getrunken wird, wirklich ein "überlegenes Arzneimittel" für unsere moderne Zeit ist, insbesondere für diesen dritten Frühling der Pandemie, in der unser Lebens immer noch unter starkem Druck steht, durch den das Qi und das Yin im Allgemeinen erschöpft und der freie und leichte Fluss des Lebens gestört wird.
Vor fast zwei Jahren haben wir einen ähnlichen Tee aus Ingwer und roten Datteln gepostet. Der Tee war damals für die Übergangszeit in den Sommer gedacht, er kann aber auch im Frühling getrunken werden. In diesem Fall trinkt man den Tee aus Ingwer und roten Datteln in der Früh (1 Tasse), und den Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren am Abend (ebenfalls 1 Tasse). Fühlt man sich erschöpft, trinkt man allerdings nur den Tee aus roten Datteln und Goji-Beeren.
Ingwer und Gojibeeren bekommt man inzwischen fast überall. Rote Datteln findet man in jedem Geschäft für chinesische Lebensmittel. Am besten kauft man Gojibeeren und rote Datteln aber in einer Apotheke, die TCM-Kräuter führt. Rote Datteln können nicht mit anderen Datteln ersetzt werden.
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