Heute kein Qigong, sondern ein Video mit einem klassischen Stück für die Qin: liushui 流水 „Fließende Gewässer“
Dieses Stück geht weit über 2000 Jahre auf die berühmte Geschichte von der wortlosen, tiefen Kommunikation zweier Freunde aus der Frühlings- und Herbstperiode der östlichen Zhou-Dynastie zurück.
Im Qinshi 秦史 (Geschichte der Qin-Dynastie) heißt es:
Der Musiker Bo Ya 伯牙 hatte einen Freund mit Namen Zhong Ziqi 鍾子期. Wann immer Bo Ya seine Qin spielte, hörte ihm Zhong Ziqi zu. Beschrieb Bo Yas Spiel die hohen Berge, sagte Ziqi: „Wunderbar, steil und hochaufragend wie der Berg Tai.“ Richteten sich Bo Yas Gedanken auf fließendes Wasser, sagte Ziqi: "Weitläufig und wogend, wie die Flüsse und Ströme.“ Was auch immer Bo Ya im Sinne hatte, Ziqi wusste es.
Einmal ergingen sich Bo Ya und Ziqi auf der Nordseite des Berges Tai. Als starker Regen einsetzte, hielten sie unterhalb eines Felsens an. Bo Ya nahm seine Qin aus der Hülle und begann zu spielen. Zuerst war es „Die Klage über den unaufhörlichen Regen", dann „Die Melodie der stürzenden Berge". Welche Melodie er auch spielte, Ziqi erkannte vollkommen, was es war.
Da legte Bo Ya seine Qin beiseite, seufzte und sagte: "Wunderbar. Was sich während des Spielens in meinem Geist findet, ist beim Zuhören auch in dem deinen. Es ist, als würden unsere Herzen gemeinsam schwingen. Wie könnten die Klänge meiner Qin dir je entkommen?“
Als Ziqi starb, wusste Bo Ya, dass er keinen zweiten solchen Seelenverwandten finden würde. So zertrümmerte er seine Zither, zerriss ihre Saiten und spielte nie wieder für den Rest seines Lebens.
-
Was ich oben als Seelenverwandter übersetzt habe, heißt auf Chinesisch wörtlich: zhiyin 知音 „der die Töne (die Melodie) erkennt“.
-
Dem Spiel der Qin lauschend
Hell der Mond. In alten Kiefern spielt der Wind.
Dunkler Duft schwebt über Bambusschatten.
Der Gebirgsbach klar wie früher,
doch niemand mehr hier, der kommt und geht.