Um den Blog etwas aufzulockern und da heute das Kleine Neujahrsfest ist, gibt es einen kurzen Ausflug in die chinesische Volkskultur.
Das kleine Neujahrsfest, das ca. eine Woche vor dem eigentlichen Neujahrsfest stattfindet, heißt auch das Fest des Herdgottes (zaoshen 竈神). Der Herdgott (oder Küchengott) ist die Gottheit, die jeden Haushalt beschützt und die guten und bösen Taten registriert, die während des Jahres begangen werden. Der Herdgott heißt auch König des Herdes (zaowang 竈王), Herr des Herdes (zaojun 竈君) oder Königlicher Herr des Herdes (zao wangye 竈王爺). Der Herdgott ist ein Mann, hat aber das Aussehen einer Frau. Bei Zhuangzi heißt es: „Beim Herd gibt es den Haarknoten“, wozu der daoistische Kommentator Cheng Xuanying bemerkt: „Der Herdgott hat das Aussehen einer schönen Frau. Er trägt scharlachfarbene Kleider, sein Name ist Haarknoten.“
Am kleinen Neujahrstag wird ein Papierbild des des Herdgottes verbrannt, um ihn in den Himmel zu schicken, wo er dem Jadekaiser (yuhuang dadi 玉皇大帝) über das Verhalten der Familie im vergangenen Jahr berichtet. Danach wird er wieder in der Familie willkommen geheißen, indem ein neues Papierbild von ihm neben den Herd geklebt wird, von welchem Aussichtspunkt aus er den Haushalt ein weiteres Jahr lang überwachen und beschützen wird.
Natürlich werden diese Feste in der heutigen Zeit nicht mehr so ernst genommen wie früher, aber sie sind bei weitem nicht verschwunden und werden fast überall noch gefeiert.
In Nordchina findet das Fest am dreiundzwanzigsten Tag des zwölften Mondmonats statt, im Süden Chinas am vierundzwanzigsten Tag. Der Zeitpunkt des Fests hängt traditionellerweise auch vom Beruf und den verschiedenen Gilden ab. Im alten China opferten die Beamten dem Herdgott am dreiundzwanzigsten Tag des letzten Mondmonats, das einfache Volk am vierundzwanzigsten, die Fischer am fünfundzwanzigsten.
Am Abend vor dem Kleinen Neujahrsfest wird das Bildnis des Herdgottes von seinem Platz neben dem Herd heruntergenommen, Opfergaben und spezielles Brennholz werden vorbereitet, Bündel aus Kiefern-, Zypressen-, Stechpalmen- oder Granatapfelbaumzweigen, ein neues Bildnis des Herdgottes wird erstanden, Pferde- und Hundefiguren werden geflochten, Essen, Räucherwerk und Gebete werden dargebracht. Traditionell gehörten zu den Opfergaben Schweinskopf, Fisch, süße Bohnenpaste, Melonen, Obst, gekochte Teigtaschen, Gerstenzucker und vor allem Bonbons.
Der Opferritus wird von Männern ausgeführt. Ein Sprichwort sagt: „Männer beten den Mond nicht an, Frauen opfern nicht dem Herdgott.“
Die meisten Opfergaben sind Süßigkeiten verschiedenster Art, um dem Herdgott für seinen Bericht im Himmel den Mund zu verkleben, damit er gar nichts oder nur Gutes über die Familie sagen kann. Für die Reise bekommt der Herdgott auch Gold- und Silberbarren aus Papier und eine Sänfte, die es zu der Zeit überall zu kaufen gibt. Oft werden auch Feuerwerkskörper gezündet, um seinen Weg in den Himmel zu beschleunigen.
Dem Herdgott wird geopfert, damit er im Himmel um Schutz für den Haushalt bittet. Ein altes Sprichwort besagt: "Im Himmel wird über gute Taten berichtet, auf der Erde wird für Sicherheit gesorgt". Das neue Bild des Herdgottes wird erst zum eigentlichen Neujahrstag aufgehängt, mit einem Ritual, das als "Begrüßung des Herdgottes" bekannt ist. In Südchina sagt man: "Am vierundzwanzigsten Tag steigt er in den Himmel auf, am Neujahrstag kehrt er auf die Erde zurück.
Zwischen dem Laba-Fest (labajie 臘八節) am 8. Tag des letzten Mondmonats und dem Kleinen Neujahr werden Wohnungen und Häuser gründlich gereinigt, damit die Geister und Gottheiten rechtzeitig abreisen und in den Himmel zurückkehren. Auch die alten Scherenschnitte werden abgenommen und neue aufgehängt. Darüber hinaus müssen alle Familienangelegenheiten in Ordnung gebracht werden, um einen guten Neuanfang im neuen Jahr zu gewährleisten.
Es gibt viele Geschichten darüber, wie der Herdgott zum Herdgott wurde. Die bekannteste stammt aus dem 2. Jh.v. Chr. Wie bei fast allen chinesischen Gottheiten, war auch der Herdgott ursprünglich ein Mensch, der frühzeitig ums Leben gekommen war. Er hieß Zhang Lang, war mit einer tugendhaften Frau verheiratet, verließ sie jedoch für eine jüngere Frau. Zur Strafe für den Ehebruch wurde er vom Himmel bestraft, er erblindete, seine junge Geliebte verließ ihn, und er endete als Bettler. Einmal, als er um Almosen bettelte, kam er zufällig am Haus seiner früheren Frau vorbei. Als Blinder erkannte er sie nicht, sie jedoch hatte Mitleid mit ihm, obwohl er sie so schäbig behandelt hatte, gab ihm zu essen und kümmerte sich um ihn. Er erzählte alles, was ihm widerfahren war und bereute unter Weinen. Da forderte ihn die Frau auf, die Augen zu öffnen, und mit einem Mal konnte er wieder sehen. Als Zhang nun seine ehemalige Frau erkannte, schämte er sich jedoch so sehr, dass er sich in den Küchenherd stürzt. Seine Frau versuchte noch, ihn zu retten, aber es blieb nur ein Bein von ihm. (Bis heute wird ein Schürhaken manchmal auch als "Zhang Langs Bein" bezeichnet.) Die Frau errichtete daraufhin für ihren ehemaligen Ehemann einen Schrein über dem Kamin. Täglich brannten dort die Räucherstäbchen. Ihr duftender Rauch erreichte schließlich auch den Jadekaiser im Himmel, der Zhang Lang zum Herdgott machte, um über Gut und Böse auf der Erde zu wachen.
Der Kult um den Herdgott wird erstmals vor fast zweieinhalbtausend Jahren in den Gesprächen des Konfuzius erwähnt, im Klassiker der Riten Liji 禮記 wird er unter den Opferkulten angeführt. Der früheste überlieferte Text, der dem Herdgott gewidmet ist, ist die vermutlich aus der Song-Dynastie (960-1279) stammende Schrift zur Befriedung des Herdes (Anzaojing 安竈經 ). Diese Schrift listet Tabus auf, die in der Gegenwart des Herdes zu beachten sind, und enthält Anweisungen für die monatlich durchzuführenden Rituale.
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